Thema: Therme Lindau

Der BUND Naturschutz (BN) sieht nach wie vor eine wesentliche Gefährdung der Schutzzwecke des Landschaftsbilds. Auch bei der Prüfung des Artenschutzes bestehen laut BN erhebliche Mängel.

 

Besonders schwer wiege die unzureichende Abarbeitung der Belange des Natur- und Artenschutzes. Üblicherweise sei für solche Großprojekte in unmittelbarer Nähe zu Flora-Fauna-Habitaten (FFH) eine FFH-Verträglichkeitsuntersuchung notwendig (wie bei der Elektrifizierung der Südbahn Ulm-Friedrichshafen-Lindau). Eine derartige Untersuchung sei aber bis heute nicht erstellt worden. BN-Geschäftsstellenleiterin Claudia Grießer weist darauf hin, dass eine eigenständige FFH-Verträglichkeitsuntersuchung dringend erforderlich sei, da Nutzungsdauer und -intensität durch den Thermenbetrieb (bis in die Nacht, Herbst, Winter und Frühjahr) sowohl im Tagesverlauf als auch über das ganze Jahr hinweg klar zunehmen Das Gebiet sei schutzwürdig, da es als Rast- und Überwinterungsplatz von Vögeln genutzt werde – insbesondere von November bis April. Während bisher ein Bade- und Erholungsbetrieb nur im Sommer stattfinde, steige nach dem Bau der Therme die Belastung durch Licht, Lärm und Beunruhigung auch in den übrigen Jahreszeiten stark an.

Die im Umweltbericht vorgenommene Betrachtung des FFH- und des Vogelschutz (SPA)-Gebietes sei mangelhaft da die Auswirkungen nicht auf die Lebensraumtypen und auch nicht auf die hier besonders geschützten Arten nachvollziehbar dargelegt werden. Auch die nunmehr nachgereichte äußerst knapp gehaltene FFH—Verträglichkeitsabschätzung beseitige dieses Manko nicht, so der BN.

 

Vollständige Stellungnahmen finden Sie hier:


Artikel der zur Demonstration gegen die geplante Therme im Eichwald

Stadtrat in Lindau stimmt für Thermen-Bau am Bodensee
110 Gegner demonstrieren gegen neues Freizeit-Paradies

Geht es nach den Plänen der Stadt Lindau und einem Investor, dann soll mitten in einem Landschaftsschutzgebiet eine der größten Thermen am Bodensee entstehen. Am Abend entschied sich der Stadtrat mit 21 zu 9 Stimmen für die Verwirklichung des Projekts. Die Maßnahme hat ein Gesamtvolumen von ca. 40 Millionen Euro, davon fallen auf die Stadt ca. 12 Millionen für das Familienbad, die restliche Summe trägt der Investor für die Therme einschließlich Infrastruktur, wie Parkplätze etc. Die Stadt muss jedoch in den sauren Apfel einer Bürgschaft über 10 Millionen Euro beißen, für den Fall das der Investor pleite geht. Die Investitionssumme von ca. 12 Millionen Euro für das Familienbad wird über neue zusätzliche Schulden finanziert.

Eine zunächst vom Investor gedachte Bürgschaftsübernahme durch ein Bankenkonsortium war nicht erfolgreich. Dieses Risiko soll die Stadt jetzt tragen.

Eine Bürgerinitiative will den Bau, wie auch die Zerstörung des Landschaftsschutzgebietes verhindern. Mit einer Unterschriftsaktion, Flyern und einer Demonstration vor dem Alten Rathaus auf der Lindau Insel kommt der Unmut und Widerstand der Gegner zum Ausdruck. 110

Hauptkritikpunkte dieser Bürgerinitiative sind die Halbierung der Strandfläche im Eichwaldbad, eine 130 m lange und 7 m hohe Schallschutzwand zwischen Eisstadion und Sauna und neue Liegeflächen auf dem stark genutzten Eichwald-Parkplatz. Hier wird befürchtet, dass diese Fläche belastet ist. Auch die Neuverschuldung steht in der Kritik.

Eine im Februar dieses Jahres geplante Baumfäll-Aktion konnte durch Protest des Bund Naturschutz gestoppt werden.

Die Stadt Lindau kritisiert die Darstellung der Fakten auf der Homepage, wie auch in Flyern, die verteilt wurden. Derzeit werden rechtliche Schritte geprüft.

Die Bürgerinitiative hat die Baumaßnahme bereits einem Fachanwalt zur Prüfung vorgelegt.

Nach Beschlussfassung durch den Stadtrat werden die abschließenden rechtlichen Möglichkeiten geprüft.

In der Lindauer Bevölkerung wird u.a. kritisiert, dass die Bürgerinitiative Ende Februar unter Ausschluss der Öffentlichkeit und Presse Aktionen beschlossen hat.

 

Siehe hierzu auch: Artikel der Lindauer Zeitung:

 

http://www.schwaebische.de/region_artikel,-Thermengegner-demonstrieren-am-Alten-Rathaus-_arid,10640877_toid,441.html


Das "Aufregerthema" Thermenplanung

Die Aufregung um die vorgesehenen Baumfällungen im Bereich des jetzigen Eichwaldbades und das Versagen der Fällgenehmigung durch das Landratsamt haben gezeigt, dass die Stadt Lindau offenbar die regulären Abläufe eines Bauleitverfahrens nicht bedacht hat.

Der BUND Naturschutz, Kreisgruppe Lindau (BN) weist in dieser Pressemitteilung eindringlich darauf hin, dass es sich hier um ein offizielles Bauleitverfahren nach dem Baugesetzbuch handelt, das in seinen vielfältigen Schritten erst durchlaufen werden muss. Hierzu gehören unter anderem die frühzeitige Bürgerbeteiligung, die öffentliche Auslegung von 4 Wochen, die Behandlung jeder einzelnen Einwendung durch den Stadtrat und die entsprechende Abwägung. Ergeben sich hierdurch Änderungen, muss der Plan nochmals ausgelegt werden. „Durch das Argument Kostendruck kann dieses Verfahren nicht abgekürzt werden,“ betont der Kreisvorsitzende Erich Jörg. Die Stadt müsse ich auch im Klaren sein, dass die korrekte Abarbeitung dieser Schritte von den Einwendern sehr genau beobachtet würde. Möglicherweise müsste die Stadt bei Verstößen mit aufsichtsrechtlichen Schritten rechnen, was erneut zu Verzögerungen führen würde.

Die Lindauer Naturschützer erinnern daran, dass es im Eichwald um ein hochsensibles Gelände geht, das selbst im Landschaftsschutzgebiet Bayerisches Bodenseeufer (LSG) liegt, an das Naturschutzgebiet Reutiner Bucht angrenzt  und an drei Seiten vom Europäischen Schutzgebiet Natura 2000 umgeben ist. Deshalb hat der BN schon in seiner Stellungnahme Ende November eine FFH-Verträglichkeitsuntersuchung für das Natura 2000-Gebiet gefordert. Der Naturschutzverband befürchtet, dass durch die gewaltige Nutzungsintensivierung ganzjährig und in die Nachtstunden hinein schädliche Auswirkungen zu befürchten sind.

 „Neben dem ‚Aufregerthema‘ um die Bäume darf aber nicht vergessen werden, dass das Bauvolumen direkt am See im LSG beträchtlich ausgeweitet wird. Wenn die Bäume schon so viele Emotionen wecken, was passiert, wenn der Bevölkerung bewusst wird, dass das Bauvolumen um 5000 m² vergrößert wird,“ fragt sich Erich  Jörg.

Er weist hier auch nochmals auf das Bodenseeleitbild der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) hin, wonach solch massive Bauvorhaben direkt am See unterlassen werden sollten. Der BN hat die Stadt Lindau in seiner Stellungnahme Ende November gebeten, die IBK einzuschalten und das Vorhaben mit ihr abzustimmen. „Ob dies geschehen ist, wissen wir bis heute nicht, wie wir auch sonst keine Kenntnis haben, wie die Stadt auf unsere 10seitigen Einwendungen eingehen wird“, so Jörg.

Zurück zu den Bäumen: Für die Lindauer Naturschützer ist es schon sehr auffällig, wie im Bereich von Großprojekten wie der Thierschbrücke und dem Eichwaldbad ein Großteil der Bäume, die den Bauvorhaben im Wege stehen, plötzlich Schädigungen attestiert werden.

 

Erich Jörg

 

Ausfertigung an: Medien, Große Kreisstadt Lindau, Landratsamt Lindau, Regierung von Schwaben, IBK

 

 


Thermal- und Freizeitbad, Eissporthalle

Pressemitteilung der Kreisgruppe Lindau (Bodensee) des BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN) zum Bauleitverfahren der Großen Kreisstadt Lindau (Bodensee) Vorhabensbezogener Bebauungsplan und Flächennutzungsplanänderung „Thermal- und Freizeitbad, Eissporthalle“ im Bereich des amtlichen Landschaftsschutzgebiets „Bayerisches Bodenseeufer“

 

Die Stadt Lindau hat das Bauleitverfahren für den Bau der Therme im amtlichen Landschaftsschutzgebiet „Bayerisches Bodenseeufer“ vor Kurzem eröffnet und der Öffentlichkeit im Rahmen der Anhörung Gelegenheit zur Äußerung gegeben. Das hat die Lindauer Kreisgruppe des BUND Naturschutz in Bayern e. V. (BN) wahrgenommen und eine 10-seitige Stellungnahme erarbeitet. In ihr kommen erhebliche Bedenken und Einwänden zu den Plänen der Stadt zum Ausdruck. Im Grundsatz stellen die Naturschützer fest, dass Umfang und Ausmaße der Thermalbadplanungen mit den Zielen und Zweckbestimmungen verschiedenster Schutzgebiete deutlich kollidieren und unvereinbar sind. „Die Stadt Lindau und ihr Investor sind sich offenbar nicht bewusst, dass sie ein Großprojekt inmitten eines amtlichen Landschaftsschutzgebietes hochziehen wollen und dass daneben die Thermenareale an Natura 2000-  und internationale Vogelschutzgebiete sowie an das Naturschutzgebiet in der Reutiner Bucht unmittelbar angrenzen“, stellen BN-Geschäftsstellenleiterin Claudia Grießer und BN-Kreisvorsitzender Erich Jörg fest. In der Euphorie,  die Therme könnte defizitäre Bereiche des bisherigen Bäderbetriebs um Eichwald und Limare wettmachen und sogar Gewinne einbringen, sind offenbar fast alle Hemmungen gefallen, teilen die Lindauer Naturschützer in einer Pressemitteilung mit.

 

So nehme das Bauvolumen gegenüber dem jetzigen Bestand um 5500 qm zu. Das sei mit der Zweckbestimmung aus der amtlichen Landschaftsschutzverordnung „Bayerisches Bodenseeufer“ unvereinbar. Dort sei geregelt, dass die Schönheit und die Eigenart der Bodenseeuferlandschaft zu erhalten und zu bewahren seien. Alle Maßnahmen, die dem zuwiderliefen, wären verboten. Das Landschaftsbild in einem höchst sensiblen Abschnitt würde extrem beeinträchtigt, da man ja das Ganze zusammen mit der bereits bestehenden Eissporthalle betrachten müsse, meinen die Lindauer Naturschützer.

 

Der Gesamtkomplex widerspräche auch dem Bodenseeleitbild der drei Anrainerstaaten. Die Internationale Bodenseekonferenz (IBK) habe darin unter anderem festgelegt, dass derartige Massivverbauungen am Bodenseeufer nicht zulässig seien. Der BN fordert daher auch die Einschaltung der IBK.

 

Die Stadt Lindau hat sich nach Auffassung der Lindauer Kreisgruppe im Seeuferplan aus dem Jahre 1987 selbst gesteckte Ziele gesetzt. So sollte das Strandbad durch Gestaltungs- und Begrünungsmaßnahmen aufgewertet und der Eichenhain vom Parken befreit werden.  Langfristig müssten für den gesamten Bereich des Ostufers von der Ladestraße bis zum Leuchtenberg Nutzungen gefunden werden, die den naturnahen Seeufercharakter nicht beeinträchtigen. „Die Thermenplanungen und die beabsichtigte städtebauliche Entwicklung (Bau von bis zu 400 Wohnungen) an der Ladestraße zertrümmern geradezu das von der Stadt 1987 sich selbst auferlegte Instrument der Seeuferplanung“, stellt BN-Kreisvoristzender Erich Jörg fest.  Zudem weiche die Stadt vom Landesentwicklungsprogramm Bayern (LEP) und dem Regionalplan Allgäu ab. In beiden übergeordneten Leitplänen sei doch festgeschrieben, dass in Tourismusgebieten Wert auf die Förderung des qualitativen und nicht auf den quantitativen Tourismus gelegt werden solle.  Dabei müssen den ökologischen Belangen besondere Bedeutung beigemessen werden, insbesondere müssten Beeinträchtigungen von Schutzgebieten oder des Landschaftsbildes vermieden werden. „Die Stadt Lindau tut hier aber in allen Punkten gerade das Gegenteil“, urteilt Claudia Grießer von der BN-Geschäftsstelle. Es sei zwar erfreulich, dass endlich der Eichenhain nicht mehr als Autoparkplatz missbraucht werde, was der BN schon seit über 20 Jahren fordere.  Das dürfe aber nicht als Rechtfertigung dienen, um an anderer Stelle des Landschaftsschutzgebietes massive Neubauten zu platzieren. Im Übrigen schmälert die Einrichtung von 480 Fahrradstellplätzen in den gut durchwurzelten Boden des Eichenhains - mit Beton und Eisen eingebracht – den ökologischen Gewinn durch die Auslagerung der Autoparkplätze erheblich. Auch der Bodenauftrag von 15 Zentimetern widerspricht nach Meinung der Lindauer Naturschützer der guten fachlichen Praxis.

 

Besondere Kritik übt der BN am Umweltbericht in den Planunterlagen. Da die Therme mit ihrer Infrastruktur unmittelbar an Natura 2000-Gebiete (FFH) und an das SPA-Vogelschutzgebiet  „Bayerischer Bodensee angrenze, fehle eine Umweltverträglichkeitsprüfung. „Die ist zwingend erforderlich“, meint Diplombiologin Claudia Grießer, da durch die Betriebsabläufe (Saunabetrieb, Lärm, Lichtemission) ein hohes Störpotenzial entstünde und die Tierwelt nachts und am Tag in den Schutzgebieten zu beinträchtigen drohe. Die Biologin vermisst zudem eine „Spezielle artenschutzrechtliche Prüfung“ bei Fledermäusen, Amphibien und Reptilien sowie bei Vögeln. Hier sei nicht in die Tiefe gegangen oder alte Daten aus dem Jahre 2001 zugrunde gelegt worden. Sie bemängelt ferner, dass der Aderlass von 27 hochwertigen Bäumen wie Eichen beträchtlich sei. Sie glaubt nicht, dass eine teilweise Umpflanzung sinnvoll sei. Zudem sei es mit einem hohen finanziellen Risiko behaftet. Meist misslinge dies. Außerdem sei in den Planunterlagen nirgendwo festgelegt, wo die Umpflanzungen vorgenommen würden.

 

Claudia Grießer und Erich Jörg beklagen in ihrer Stellungahme ferner, dass die Lärmbelastung für Anwohner und Kleingärtner nördlich der Eichwaldstraße durch den Ganzjahresbetrieb deutlich zunehmen werde und kaum spürbare Minderungsmaßnahmen angedacht seien. „Auch Anwohner und Kleingärtner haben ein Recht auf Erholung und Lebensqualität“, ergreifen die Lindauer Naturschützer Partei.

 

Einen weiteren Kritikpunkt bringen die Naturschützer vor: Vor wenigen Tagen sei öffentlich geworden (siehe Lindauer Zeitung vom 3.12.2016), dass der vorgesehene Parkplatz nördlich der Eichwaldstraße überhaupt noch nicht gesichert sei. Es wäre vollkommen offen, ob er überhaupt zur Verfügung stünde. „Wie kann ein Bauleitverfahren  bei so einem Großprojekt in Gang gesetzt werden, wenn die Parkplatzfrage völlig ungeklärt ist“, meinen Claudia Grießer und Erich Jörg.

 

Das Fazit, das die BN-Kreisgruppe zur Thermenplanung der Stadt Lindau zieht, ist sehr negativ. Eine Therme in dieser Form und mit ihren Auswirkungen inmitten eines Landschaftsschutzgebietes und in unmittelbarer Nachbarschaft eines FFH- und SPA-Gebietes sowie eines Naturschutzgebiets in der Reutiner Bucht sei mit deren Schutzzielen unvereinbar. Sie fordern Planungen, die darauf Rücksicht nehme, aber auch den Erholungswünschen der Bevölkerung gerecht werden. Beides sei bei den jetzigen Vorhaben nicht erkennbar.

 

Lindau, den 5. 12. 2016

V. i. S. d. P.: Claudia Grießer, BN-Geschäftsstellenleiterin und Erich Jörg, Kreisvorsitzender der BN-Kreisgruppe Lindau (Bodensee)

 

P. S.: Bei Bedarf kann die Stellungnahme vom 28. 11. 2016 im Wortlaut angefordert werden.

 

 


Beschluss des Stadtrats der Großen Kreisstadt Lindau über das Stadtentwicklungskonzept (ISEK)

Der Lindauer Stadtrat  hat das Stadtentwicklungskonzept (ISEK) für die Jahre 2015 bis 2030 beschlossen. Ein Kernpunkt ist unter anderem, in den nächsten 15 Jahren ein Wohnbauprogramm mit 1800 Wohneinheiten zu bauen, wobei die Planer von einem Bevölkerungswachstum von etwa 3,5 % ausgehen.

„Wenn das so kommt, wird sich das Gesicht Lindaus dramatisch verändern“, erklärt Erich Jörg, der BN-Kreisvorsitzende in einer Presseverlautbarung. Besonders kritisch sehen die Naturschützer der Kreisgruppe die Pläne, große Teile des Seeparkplatzes auf der Hinteren Insel zu bebauen und nach Aufgabe des Bahngeländes an der Ladestraße bis zu 400 Wohnungen unmittelbar vor das 30 ha große Naturschutz-, FFH- und Vogelschutzgebiet zu platzieren. Auf der Hinteren Insel gingen Erholungsflächen für die Bevölkerung verloren. Der Druck der Menschen auf das Naturschutzgebiet „Reutiner Bucht“ würde zunehmen und es in seiner Funktion gefährden, sorgt sich der Lindauer Kreisvorsitzende. Daneben würden viele weitere Grünflächen im Stadtgebiet verschwinden, denn der anvisierte Wohnungsbau brauche Raum. Erich Jörg meint dazu: „Lindau wird in einigen Bereichen großstädtische Züge annehmen, wie es teilweise im Ansatz schon am Aeschacher Markt zu besichtigen ist“, meint der Naturschützer. Die Stadt Lindau scheine sich nicht im Klaren zu sein, welche weiteren Folgen dieser stramme Wachstumskurs nach sich ziehe, wie beispielsweise neue Straßen, Wege und soziale Einrichtungen. Verkehr, Lärm und Schadstoffe würden zunehmen und der Streit um Parkplätze nähme noch groteskere Züge an. Das Thema Nachhaltigkeit, kritisiert die BUND-Kreisgruppe weiter, suche man im ISEK-Programm vergeblich.

„Dabei hat der Lindauer Stadtrat erst drei Jahre zuvor im rechtsgültigen Flächennutzungs- und Landschaftsplan in der Präambel geradezu ein vorbildliches Stadtleitbild verankert, das von hohem Verantwortungsbewusstsein geprägt sei, lobt Erich Jörg die damaligen Festlegungen. Einer der bedeutsamsten Grundsätze lautet: „Die zukünftige städtebauliche Entwicklung erfolgt in Anpassung an die sensiblen landschaftlichen Gegebenheiten. Qualitätserhalt und Qualitätssteigerung haben Vorrang vor weiterem Ausbau.“ Das ISEK-Konzept nehme darauf überhaupt keine Rücksicht, schlimmer noch, es zerstöre gar dieses Gedankengut, stellen die Naturschützer der Kreisgruppe Lindau mit großem Bedauern fest. Schlimmer noch, die positiven Ansätze im derzeit gültigen Flächennutzungsplan mit integriertem Landschaftsplan würden dadurch aus den Angeln gehoben. „Wir haben es bisher mündlich wie schriftlich nicht geschafft, die ISEK-Planer und die Verantwortlichen der Stadt Lindau auf die gewaltige Diskrepanz hinzuweisen“, so Erich Jörg. Für ihn sei es unbegreiflich, wie rasch und bedenkenlos ein vernünftiges, von Verantwortung getragenes städtisches Manifest aufgegeben werden soll.

Die Kreisgruppe Lindau des BUND Naturschutz appelliert deshalb vor der entscheidenden Stadtratssitzung an den Oberbürgermeister und an alle Mitglieder des Stadtrates in eindringlicher Form:

Das ISEK-Wachstumsprogramm ist zukunftsfeindlich, zerstört die Vorgaben aus dem Stadtleitbild in der Präambel zum Flächennutzungsplan und lässt jegliche Züge einer Nachhaltigkeit vermissen. Eingedenk der kommenden Generationen ist Maßhalten das Gebot schlechthin! Das ISEK-Konzept muss sich dem Stadtleitbild unterordnen und darf deshalb in dieser Form nicht verabschiedet werden.


Initiative für das Mehrwegsystem

Unsere Initiative hatte Erfolg.  Die Stadt Lindau wird in Zukunft auch im Alten Rathaus ihre Getränke nur noch in Glasflaschen anbieten. Sie stärkt damit das Mehrwegsystem und wird somit ihrer Vorbildfunktion gerecht.


Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK)

An

Große Kreisstadt Lindau

Herrn Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker

Bregenzer Str. 6

88131 Lindau (Bodensee)

 

Lindau, den 11.08.2015

 Betreff: Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK)

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Ecker,

der Lindauer Stadtrat hat im Juni 2015 mit großer Mehrheit der von einem Fachbüro erarbeiteten Bedarfsanalyse für die Stadtentwicklung zugestimmt. Danach sollen in den nächsten 15 Jahren 1800 Wohnungen gebaut werden. Die öffentliche Bürgerbeteiligung ist zwar vorerst beendet, was jedoch sicherlich nicht bedeutet, dass der Diskussionsprozess um die Folgen des ISEK-Konzepts schon abgeschlossen ist. Die Auswirkungen dieses ISEK-Konzepts dürfte die Stadt Lindau noch lange beschäftigen. Wir erlauben uns, auf diesem Wege einige grundsätzliche Gedanken vorzutragen:

 1.   Wachstumsprognosen

Die von der Stadt Lindau beauftragten Planer haben in komplizierten Berechnungsverfahren einen Anstieg der Einwohnerzahl bis zum Jahr 2030 um 3,5 % und dementsprechend einen Bedarf von 1800 Wohnungen errechnet. Wir stellen diese Berechnungen infrage und dürfen als „Kronzeugen“ Stadtplaner Hubert Sieber zitieren, der im Verlauf der Flächennutzungsplan-Erarbeitung im Stadtrat jegliche Berechnungen von Wachstumsprognosen als „Kaffeesatzleserei“ bezeichnet hat. Bereits damals wurde deutlich, dass man - je nach angewendeter Berechnungsmethode - sehr unterschiedliche Prognosen erstellen kann. Zudem ist vor dem Hintergrund der Entwicklung der letzten Jahre ein solcher Anstieg nicht erkennbar. Von 2000 bis 2009 stieg die Einwohnerzahl nur um 1 %, von 2009 bis 2014 um 1,7 %. In absoluten Zahlen wurden für die Jahre 2003 bis 2013 gerade einmal 212 neue Einwohner  registriert, was eine Zunahme von lediglich 0,9 % bedeutet. Warum nun also plötzlich 3,5 %?

Selbst wenn man unterstellt, dass die Bodenseeregion noch zu den sogenannten „Wachstumsregionen“ zählt, kann daraus keine seriöse Berechnung abgeleitet werden. Wir alle wissen doch, dass das wirtschaftliche Wachstum sehr stark von übergeordneten Entwicklungen auf globaler Ebene abhängig ist. Diese Vorgaben können sich durch unvorhergesehene Ereignisse und Wirtschafts- und/oder Finanzkrisen sehr rasch ändern. Das darf daher nicht Grundlage für ein prognostiziertes kommunales Wachstum sein. Kein Bevölkerungswachstum lässt sich jemals genau in Prozenten vorhersagen. Ein Wachstum von 3,5 % erscheint uns ziemlich unrealistisch. Es legt den Verdacht nahe nur den Zielen der Bau- und Immobilienwirtschaft zu dienen.

Die Generalfrage lautet ohnehin: Will die Stadt Lindau denn weiterhin ausschließlich auf Wachstum setzen? Verträgt unsere sensible Bodenseelandschaft und unser differenziertes Stadtgefüge ein solches Wachstum überhaupt noch? Wird hiermit nicht auch die einheimische Lindauer Bevölkerung vollkommen überfordert? Sind die ökonomischen und ökologischen Folgen für die Stadt Lindau überhaupt bedacht worden?

Man schaue sich nur die ungehemmte städtebauliche Entwicklung in Aeschach an. Von der einst viel gerühmten „Gartenstadt“ ist nicht mehr viel übrig. Und eine Kleine Landesgartenschau auf der Insel im Jahr 2021 wird diese Schäden im Orts- und Landschaftsbild der Festlandsstadtteile nicht kompensieren.

Bereits im Landschaftsplan (Bestandteil des Flächennutzungsplans) der Stadt wurde deutlich gezeigt, wie sich Lindau seit den 1950er-Jahren massiv geändert hat. Wieviel Wachstum verträgt also unsere Stadt noch? Diese Frage kann hier nur politisch beantwortet werden, nicht aber durch das stetig vorgetragene Dogma eines angeblich unvermeidbaren Wachstums. Eine Stadtentwicklung, soll sie zukunftsfähig und  nachhaltig sein, muss die  städtischen Freiräumen und Strukturen erhalten und darf sie nicht zerstören.

 2.   ISEK und Flächennutzungsplan (FNP)

Auf unsere Nachfrage wurde beteuert, dass das ISEK-Konzept keine Fortschreibung des vor drei Jahren in Kraft getretenen Flächennutzungs- und Landschaftsplans der Stadt Lindau darstellt. Tatsächlich kann man dies ISEK aber nicht absprechen.

Im Mittelpunkt der Überlegungen steht doch das Ziel, bis 2030 insgesamt 1800 neue Wohnungen zu bauen. Eine Umsetzung kann aber nur über die Bauleitplanung auf der Grundlage  des Flächennutzungsplans erfolgen. Der FNP sieht derzeit 20,8 ha an Arealen für den Wohnungsbau vor. Uns als BN interessiert nun, inwieweit die im ISEK-Konzept propagierten 1800 Wohneinheiten über die im FNP dargestellten Potenziale realisierbar sind. Es drängt sich hierbei die Vermutung auf, dass das angedachte Wohnbauprogramm viele neue Flächen benötigen wird. Somit muss der FNP sicher an vielen Stellen verändert werden.

So ist bekannt, dass die Stadtverwaltung und Teile des Stadtrates darauf hoffen, dass zum Beispiel an der Ladestraße die nicht mehr benötigten Bahnareale in Wohnbaugebiete umgewidmet werden sollen (angedacht bis zu 400 neue Wohnungen). Dieser Bereich ist im FNP aus planungsrechtlichen Gründen nicht als Wohn- oder Mischbaugebiet dargestellt. Es sei nochmals deutlich darauf hingewiesen, dass eine solche Planungsabsicht aus vielfältigen Gründen für eine Bebauung äußerst problematisch und bedenklich ist.

 Nicht nur die unmittelbare Lage am Naturschutz- und FFH-Gebiet „Reutiner Bucht“ steht einer bis an die Ladestraße reichenden Bebauung eklatant entgegen. Hinzu kommt als weitere Hürde die Schutzgebietsverordnung des Landkreises Lindau für das Landschaftsschutzgebiet „Bayerisches Bodenseeufer“. Nicht zu vergessen sind schließlich auch die internationalen Vereinbarungen im  Bodenseeleitbild der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) und die der Alpenkonvention. Auch nach der vergessenen, aber immer noch gültigen Seeuferplanung der Stadt Lindau verbietet sich an dieser Stelle eine derartige Massivverbauung.

Sie werden diese Hürden auch beim geplanten  Neubau des Strandbads Eichwald überwinden müssen. Selbst wenn Ihnen das beim Strandbad noch gelänge, was wir bezweifeln, so muss sich die Stadt Lindau fragen lassen: Ist der Stadt tatsächlich bewusst wie massiv das Bodenseeufer in Reutin zulasten der Landschaft verändert wird? Eine im Sinne der Landschaft und der Natur nachhaltige Entwicklung darf sich die Stadt dann nicht mehr auf die Fahnen schreiben.  

 3. ISEK-Konzept im Gegensatz zum Stadtleitbild

Die Stadt Lindau muss sich beim ISEK-Konzept auch die Frage stellen, inwieweit diese Zielsetzungen mit dem Stadtleitbild im FNP vereinbar sind. Die Präambel des erst drei Jahre alten FNP enthält nämlich zukunftsweisende und begrüßenswerte Leitlinien.

Wir zitieren:

·        „Historisch bedingt besitzt die Stadt eine dezentrale Stadtstruktur mit der mittelalterlichen Insel und einzelnen Stadtteilen auf dem Festland (Park- und Gartenstadt).“

·        „Lindau ist ein attraktiver Wohnstandort von hoher städtebaulicher Vielfalt und Qualität sowie mit charakteristischen und prägenden Landschafts- und Grünstrukturen im Innen- wie im Außenbereich.“

·        „Die zukünftige städtebauliche Entwicklung erfolgt in Anpassung an die sensiblen landschaftlichen Gegebenheiten. Qualitätserhalt und Qualitätssteigerung haben Vorrang vor weiterem Ausbau.“

Zwar versichern Planer sowie politisch Verantwortliche, nicht die Außenbereiche anzutasten und stattdessen die Innenräume zu verdichten. Es ist aber ein Trugschluss zu glauben, auch hier könnten Grünzonen erhalten werden. 1800 neue Wohnungen brauchen Platz. Man kann in der Kleinstadt Lindau nicht nur in die Höhe bauen. Einige Stadtbereiche werden großstädtische Züge annehmen. Bei der Bürgeranhörung hat sich doch gezeigt, dass die Menschen „Grün“ auch im Innenbereich bewahrt sehen möchten. Sie wollen „Luft zum Atmen“. Insgesamt muss also zu diesem ISEK-Konzept gesagt werden, dass die Zielsetzungen aus dem Stadtleitbild nicht gewahrt werden. Wir haben leider den Eindruck, dass bei den Diskussionen um das ISEK-Konzept des Stadtleitbildes mit diesen hehren Grundsätzen überhaupt keine Rolle gespielt hat. Es wäre sehr bedauerlich, wenn schon nach drei Jahren dem Stadtleitbild keine Beachtung mehr geschenkt würde.

 4. Weißensberg – Mahnung und nicht Vorbild:

 Bei der Stadtratssitzung am 24.6.2015 wiesen einige Stadträte darauf hin, dass in der Vergangenheit viele Bauwillige ins Umland ausgewichen seien, insbesondere nach Weißensberg oder Bodolz. Das ist gewiss nicht ganz von der Hand zu weisen. Die Folgen sind aber für alle drastisch sichtbar.

Weißensberg ist heute die am deutlichsten durch Zersiedelung gekennzeichnete Gemeinde im Landkreis Lindau. Das erkennt nun selbst die Gemeindepolitik an. Bürgermeister Hans Kern äußerte sich dazu in einem Gespräch mit der Lindauer Zeitung vom 04.01.2012 unter anderem so, wir zitieren:

„Weißensberg ist in den vergangenen 40 Jahren enorm gewachsen. Dieses Wachstum ist in dieser Form so nicht mehr fortsetzbar. Darüber haben wir auch auf unserer Klausurtagung im Oktober gesprochen und entschieden, dass die Gemeinde in absehbarer Zeit keine weiteren Flächen mehr als Bauland ausweisen wird. [....]“

Diese Erkenntnis kommt leider etwas spät. Der Stadt Lindau sollte  das jedoch dringend zum Nachdenken gereichen. Die bedenkliche Weißensberger Entwicklung muss in Lindau unter allen Umständen vermieden werden.

Zusammenfassung:

Nach unserer Ansicht setzen die ISEK-Pläne einseitig auf ein beträchtliches Wachstum im Stadtgebiet. Wir haben den Eindruck, dass die ökologischen Folgen nicht oder nur am Rande in Erwägung gezogen worden sind. Wir warnen ausdrücklich davor, diese Pläne in den vorgesehenen Formen entstehen zu lassen. Die Stadt Lindau mit ihrer prächtigen Lage am Bodensee vor der Kulisse der Alpen wird durch das massive Bebauungsprogramm stark an Attraktivität einbüßen. Wir raten der Stadt Lindau dringend, mehr Bescheidenheit in der zukünftigen Entwicklung an den Tag zu legen. Maßhalten ist das Gebot der Gegenwart und erst recht der Zukunft. Wir legen der Stadt Lindau dringend ans Herz das ISEK-Konzept eindeutig dem vernünftigen Stadtleitbild unterzuordnen. Aber nicht nur die ökologischen Folgen sind in Betracht zu ziehen, sondern ebenso die ökonomischen (Ausbau der Infrastruktur, neue Straßen, Wege und Parkplätze, Ausbau und Erweiterung von Schul- und Freizeiteinrichtungen, usw.).

Oder will die Stadt Lindau der düsteren Filmdokumentation aus dem Jahre 2004 des bekannten bayrischen Filmmachers Dieter Wieland „Die Zersiedelung des Bodensees“ ein weiteres bedenkliches Kapitel in dieser Richtung hinzufügen?

 

Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturschutzhäusle

Erich Jörg

Kreisvorsitzender

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Die besagte Filmdokumentation "Der Bodensee - Zersiedelung einer Landschaft" von Dieter Wieland in der Mediathek des Bayerischen Rundfunks:

http://www.br.de/mediathek/video/video/ein-film-von-dieter-wieland-112.html


Bachläufe in Lindau – ihre Natürlichkeit – ihre Beeinträchtigungen – EU-Wasserrahmenrichtlinie

An

Große Kreisstadt Lindau

Herrn Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker

Bregenzer Str. 6

88131 Lindau (Bodensee)

 

Lindau, den 27. 7. 2015

Bachläufe in Lindau – ihre Natürlichkeit – ihre Beeinträchtigungen – EU-Wasserrahmenrichtlinie

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Ecker,

aufmerksame Mitbürger haben uns darauf hingewiesen, dass nach ihrer Ansicht an einigen Lindauer Bachläufen widernatürliche Verbauungen vorgenommen worden seien. Wir sind diesen Hinweisen nachgegangen. Ortsbesichtigungen zeigten uns, dass die Beanstandungen nicht unbegründet sind.

Wir schildern Ihnen das Gesehene, belegen und bewerten es mit Bildern, die wir Ihnen getrennt digital übermitteln.

a)    Uferverbauung in Heimesreutin (Haus 18 b) an der Brücke über den Wolfsbach:

Das Haus 18 b ist direkt an das rechtsseitige Ufer des Wolfsbachs herangebaut worden. Die Begrenzung zum Fließgewässer bildet eine Mauer auf einer Länge von etwa 50 Metern. Von einem Uferbegleitgrün ist nichts übrig geblieben. Das kann sich durch die Beschaffenheit des Walls auch nicht mehr entwickeln. Die biologisch wichtige Vernetzung bei Bächen ist auf dieser Seite drastisch unterbrochen. Die der Bebauung gegenüberliegende Bachseite zeigt dagegen wohltuend auf, wie der natürliche Bewuchs am Bachsaum sein sollte. Was bewog die Stadt Lindau, hier in diesem Bereich eine Baugenehmigung zu erteilen? Warum wurde es zugelassen, dass die Uferbegrenzung so widernatürlich vorgenommen worden ist? Warum wurden die EU-Wasserrahmenrichtlinien nicht beachtet? Wurden Wasserwirtschaftsamt und Naturschutzbehörde gehört? Welche Rolle spielten Gesichtspunkte des Hochwasserschutzes?

 b)    Motzacher Tobelbach an der Köchlinstraße:

 Hier wurde der Motzacher Tobelbach auf einer Länge von etwa 80 m beidseitig in ein Korsett aus Steinen und Beton gezwängt. Jegliches Begleitgrün an den Ufern ist verschwunden. Es wird sich sicherlich nie mehr bilden können. Dieser höchst widernatürliche Ausbau kann gewiss nicht mit Hochwasserschutzmaßnahmen begründet werden. Der Motzacher Tobelbach hat auf der Höhe Streitelsfingen vor einiger Zeit ein Stauwehr erhalten, das bei Hochwasserlagen regulierend wirkt. Wie konnte es deshalb zu diesem höchst naturfeindlichen Ausbau kommen? Welche Überlegungen stecken dahinter? Wurde die Ausbaumaßnahme vom Wasserwirtschaftsamt und der Naturschutzbehörde gutgeheißen? Gerade weil der Motzacher Tobelbach bachaufwärts im Anschluss an diese Ausbaumaßnahme auf einer Länge von etwa 100 bis 150 m verrohrt ist, hätte es doch oberstes Ziel sein müssen, ihm wenigstens nach seinem unterirdischen Austritt wieder zu mehr Natürlichkeit zu verhelfen.

 c)     Motzacher Tobelbach im Bereich Baugebiet „Am Motzacher Tobelbach“ (Bebauungsplan Nr. 40):

 Das sich über mehrere Jahre erstreckende Bauleitverfahren haben wir stets kritisch betrachtet. Auf unsere Stellungnahmen vom 12. 1. 02, 16. 1. 2006 und 7. 10. 2008 darf verwiesen werden. Mehrfach hatten wir darin auch unsere Sorge zum Ausdruck gebracht, dass der in diesem Bereich intakte Flusskörper in Mitleidenschaft gezogen werden könnte. Die Ortsbesichtigung hat unsere Bedenken von damals bestätigt. Zwischen dem Bachbett und den neuen Wohngebäuden liegt linksseitig ein steil abfallender Hang. Es fand ein massiver Eingriff statt. Mehrere Meter hohe, stufenartig angeordnete Gallonenwände auf einer Länge von etwa 50 Metern reichen sehr nahe an das Fließgewässer heran und sollen offenbar zur Hangsicherung dienen. Von der einst strukturreichen Uferböschung ist nichts mehr übrig geblieben. Wir melden Zweifel an. Musste der Dammbau so heftig ausfallen? Gründe des Hochwasserschutzes können sicherlich nicht mehr geltend gemacht werden. Nur ein paar hundert Meter bachaufwärts befindet sich auf Höhe Streitelsfingen das vor einiger Zeit errichtet Staubecken. Gab es also nicht naturfreundlichere Lösungen? Auch hier die Frage: Stimmten die Fachbehörden (Wasserwirtschaft und Naturschutz) hier zu?

Zusammenfassung:

Die dargestellten Beispiele um Lindaus Wasserläufe werfen aus unserer Sicht berechtigte Fragen auf. Zu ändern ist an den beschriebenen Zuständen natürlich nichts mehr. Aber die Generalfrage an die Große Kreisstadt Lindau (Bodensee) lautet: Wie will sie in Zukunft bei Bau- und Sicherungsmaßnahmen an den Bachläufen verfahren? Will sie an anderen Stellen in gleicher Weise wie aufzeigt vorgehen? Welchen Stellenwert räumt die Stadt in Zukunft der EU-Wasserrahmenrichtlinie ein? Sie besagt doch unter anderem, dass die Fließgewässer vor Zubauten bewahrt und vor allen Dingen die Uferbereiche ökologisch aufgewertet werden sollen (Stichwort: Vernetzung).

Wir regen dringlich an, in Zukunft derart negative Beispiele zu vermeiden.

Wir wären Ihnen sehr für eine umfassende Aufklärung dankbar.

Abschriften erhalten das Wasserwirtschaftsamt Kempten und die Untere Naturschutzbehörde. Die aufgenommenen Bilder gehen Ihnen getrennt digital zu.

 

Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturschutzhäusle

Erich Jörg

Kreisvorsitzender

Motzachertobelbach an der Köchlinstraße
Motzachertobelbach bei Streitelsfingen
Wolfsbach in Heimesreutin

EU-Wasserrahmenrichtlinie – Deutsch-österreichisches Gewässerentwicklungskonzept für die Leiblach, Landkreis Lindau und Vorarlberg

An

Wasser Wirtschaftsamt Kempten

Postfach 2644

87414 Kempten

 

Lindau, den 22.6.2015

Betreff: EU-Wasserrahmenrichtlinie – Deutsch-österr. Gewässerentwicklungskonzept für die Leiblach, Landkreis Lindau (Bodensee) und Vorarlberg (Republik Österreich)

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir nehmen Bezug auf den Pressebericht in der Lindauer Zeitung vom 17.06.2015 unter dem Titel „Hochwasserschutz: Pläne in Hörbranz werden konkret“.

Daraus ist zu erfahren, dass die Hochwasserschutzmaßnahmen auf der österreichischen Seite der Leiblach im Gemeindegebiet von Hörbranz weit gediehen sind. Die Gemeinde Sigmarszell auf der deutschen Seite hat sich vor kurzem nun ebenfalls mit der Planung befasst und einige Forderungen aufgestellt. Das Lindauer Landratsamt und Ihre Behörden sind an den Planungen beteiligt.

Weiter darf auf Ihr Schreiben vom 26.9.20011 (Aktenzeichen: 3-4437-LI 116,126) verwiesen werden. Darin luden Sie unter anderem den BUND Naturschutz für den 15.11.2011 nach Bregenz zu einem „Runden Tisch“ ein. Beratungsthema: grenzüberschreitendes Gewässerentwicklungskonzept Bayern-Österreich für die Leiblach.

Der Unterzeichner nahm damals daran teil. Seither haben wir nie mehr etwas darüber vernommen, was aus der seinerzeitigen Beratung geworden ist. Erst der jetzige Pressebericht knüpft offenkundig an die im Jahre 2011 begonnene Themenstellung wieder an. Schon bei der Erörterung im Jahre 2011 war klar, dass die Leiblach nach der EU-Wasserrahmenrichtlinie als Sanierungsfall zu gelten habe. Die Durchgängigkeit des Flusses ist nicht gewährleistet, wofür vor allem der Sanwaldwehr verantwortlich ist.

Die von der EU in der Wasserrahmenrichtlinie verankerten Vorgaben sind umzusetzen. Das gilt für Österreich wie für Deutschland. Aus unserer Praxis wissen wir, dass das deutsche Bundesland Bayern mit der Umsetzung in Verzug ist. Nach Verlautbarungen der bayerischen Staatsregierung sollen die Defizite in naher Zukunft angegangen und behoben werden.

Wenn hier im Fall der Leiblach vollständig in der Presse berichtet worden ist, sind die Planungen um den Hochwasserschutz auf der österreichischen wie auch auf der deutschen Seite nicht unter die Rubrik „EU-Wasserrahmenrichtlinie“ einzureihen. Oder interpretieren wir den Bericht falsch?

Jedenfalls wäre es zwingend, im Rahmen der Hochwasserschutzmaßnahmen auch die Wasserrahmenrichtlinie zu beachten. Das hieße unter anderem, dass die Durchgängigkeit der Leiblach in Angriff genommen werden müsste. So widerspricht zum Beispiel der Sanwaldwehr eklatant den Vorgaben aus Brüssel. Natürlich wäre eine Entfernung des mächtigen Absturzes keine leichte Aufgabe mit beträchtlichen Folgen für den Ober- wie für den Unterlauf des Flusses. Aber der Flusskörper würde durch die wiedergewonnene Freiheit seine gewässertypische Natürlichkeit im Bett und an den Ufern zurückerhalten, so wie sie einst vor der Errichtung der Barriere bestand.

Wenn hier FFH-Gründe, insbesondere für den Oberlauf und für den Auwald ins Feld geführt werden, dann dürfte nirgendwo Flussverbauungen entfernt werden. Dann stieße die EU-Wasserrahmenrichtlinie vollkommen ins Leere. Wir verstehen selbstverständlich, dass sich über die Jahrzehnte besonders oberhalb des Wehres die Ökologie eine andere Ausprägung erhielt als bei einem unbehindert fließenden Gewässer. Darf diese „Zweitnatur“, mag sie auch FFH-würdig eingestuft sein, gegen die Vorgaben aus der Wasserrahmenrichtlinie die Oberhand behalten, obwohl sie menschenverursacht und nicht flusstypisch ist.

Wir werfen diese Frage auf. Wir sehen sie durch die Hochwasserschutzplanung nach unserem Kenntnisstand nicht beantwortet.

Um keine Zweifel aufkommen zu lassen: Der Hochwasserschutz ist wichtig. Die Zielvorgaben aus der Wasserrahmenrichtlinie darf aber nicht vernachlässigt werden. Immerhin stellen sie eine Gesetzesnorm dar wie die FFH-Richtlinie. Beides sollte an der Leiblach einvernehmlich verbunden werden.

Wir dürfen Sie höflich bitten, uns näher und umfassend aufzuklären. Unsere Kernfragen sind: Warum wurden die „Runden Tische“ nicht fortgeführt? Aus welchem Grunde wird die Wasserrahmenrichtlinie in der Leiblach nicht umgesetzt? Für Ihre Antworten danken wir Ihnen bestens.

Abschriften erhalten: Regierung von Schwaben, Bezirkshauptmannschaft Bregenz, Landratsamt Lindau, Gemeinde Sigmarszell und Gemeinde Hörbranz und die Lindauer Zeitung.

 

Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturschutzhäusle

Erich Jörg

Kreisvorsitzender


Plakataktion gegen die Fällung der einreihigen Kastanienallee an der Dammsteggasse in Lindau-Insel

 

Die BN-Kreisgruppe erinnert mit einer Plakataktion an der einreihigen Kastanienallee westlich des ehemaligen Filmpalastes an der Dammsteggasse auf der Lindauer Insel an die vorgesehene Fällung der prächtigen Bäume. „Wir wollen den politisch Verantwortlichen der Stadt Lindau nochmals ins Gewissen reden“, erklärt Erich Jörg, der Lindauer Kreisvorsitzende des BUND Naturschutz. Das Schicksal dieser Bäume stehe stellvertretend für alle jene Bäume, die in absehbarer Zeit für die Lindauer Großprojekte (Inselhalle, Unterführung) noch fallen werden. Beim Schutzgut Baum zeige sich die Stadt Lindau in ihren Entscheidungen sehr zwiespältig, befindet der BN-Kreisvorsitzende in einer Presseerklärung. Wenn es um Bauprojekte gehe, sei der Stadtrat schnell bei der Hand und überantworte die Bäume der Motorsäge. Andererseits bewerbe sich die Große Kreisstadt um die Kleine Landesgartenschau 2021 mit dem Anspruch, die Lindauer Insel besser und vielfältiger zu durchgrünen. In der Werbebroschüre zur geplanten Gartenschau propagieren, so erläutert Erich Jörg weiter, Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker und sein Bauamtsleiter Georg Speth gar, das Profil der Gartenstadt Lindau zu schärfen und weiterzuentwickeln. „Die Lindauer Praxis jedoch wird der rauen Wirklichkeit in keinster Weise gerecht“, stellt der Kreisvorsitzende bedauernd fest.

 

Die Lindauer BN-Kreisgruppe behängt nun die fünf Kastanien mit Plakattafeln. Sie tragen unter anderem die Inschrift: „Beton statt Leben – Ich muss weichen oder Kein Platz mehr für Bäume – deshalb falle ich.“ Der BN erhoffe sich dadurch, beim Stadtrat mehr Sensibilität für das Schutzgut Baum zu erreichen. Nur dann könne die Stadt ein würdiger Ausrichter der Landesgartenschau 2021 sein, meint abschließend BN-Kreisvorsitzender Erich Jörg.

 

Die Pressemitteilung ergeht an: die Medien, Stadt Lindau, Landratsamt Lindau und die Gesellschaft zur Förderung der bayerischen Landesgartenschauen mbH. Beigefügt sind Bilder über die Plakataktion.


Dammsteggasse

Kann der BN diese Bäume noch retten?

In der Dammsteggasse stehen, wie jeder Lindauer weiß, fünf prächtig ausgewachsene und gesunde Kastanienbäume. Sie befinden sich zwischen dem Rad- und Fußweg und dem Gebäude, in dem das inzwischen aufgegebene Filmtheater untergebracht war. Sie gehören in Lindau zum Stadtbild wie der Bodensee. Doch nach dem Wissensstand des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) soll das Gebäude abgebrochen und an seiner Stelle ein Einkaufsmarkt mit Tiefgarage errichtet werden.

Der BN befürchtet nun, dass die kleine Kastanienallee an der Westseite des ehemaligen Kinos den Neubauten weichen muss. Die Stadt will den Grünstreifen, der bisher öffentlich gewidmet war, entwidmen, um die Bäume fällen zu können und so den Neubau zu erleichtern.

Gegen einen Supermarkt hat freilich niemand etwas zu sagen, doch weshalb deswegen die Bäume weg müssen, ist unverständlich. Also hat die Kreisgruppe Lindau des BN Einspruch gegen die Entwidmung erhoben. Der Beschluss ist leider trotzdem wie erwartet ausgefallen. Der Grünstreifen ist nicht mehr öffentlich gewidmet.

In einer Pressemitteilung ist dieser Einspruch, vor allem in der Überschrift, falsch dargestellt worden. Man kann diesem Artikel entnehmen, dass der BN Einspruch gegen den Bau eines Supermarktes hat. Das wurde jedoch vom BN in einer Richtigstellung durch einen erneuten Artikel wieder verbessert, denn der BN will lediglich verhindern, dass die Kastanienbäume gefällt werden.

Zuletzt hat der Kreisvorsitzende Erich Jörg, noch einmal in einem Brief an den Oberbürgermeister von Lindau, Dr. Ecker,  appelliert, sich für den Erhalt der Kastanien einzusetzen.

Der gesamte Schriftwechsel ist den PDF Dokumenten zu entnehmen.




Ablehnung einer Spielhalle in Reutin

Große Kreisstadt Lindau (Bodensee)
Herrn Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker
Bregenzer Str. 8

88131 Lindau (Bodensee)

Ablehnung einer Spielhalle an der Ladestraße in Reutin – LZ-Bericht vom 22. 5. 2014 „Ausschuss lehnt Spielhalle in der Ladestraße ab“

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Dr. Ecker,
auf den erwähnten Pressebericht darf höflich Bezug genommen. Danach hat der städtische Bauausschuss einstimmig hat die Einrichtung einer Spielhalle im ehemaligen Kaufhaus „Chance“ abgelehnt. Damit wollte die Stadt Lindau sicherlich der Flut von immer mehr Spielhöllen einen Riegel vorschieben. Für die Stadt gab es aber, wie aus dem Pressebericht zu erfahren ist, noch weitere Gründe, die zur Ablehnung führten.

Als Naturschutzverband nahmen wir mit besonderer Aufmerksamkeit zur Kenntnis, dass die Stadt ihre ablehnende Haltung auch mit den Belangen des Landschaftsschutzes begründete. Die Nähe zum Seeufer spräche gegen eine Spielhalle. Wir begrüßen diese Einstellung der Stadt und ihrer politischen Vertreter. Wir freuen uns darüber, dass der hochwertige Landschaftsraum um das Naturschutzgebiet „Reutiner Bucht“ bei der Entscheidung eine so wichtige Rolle spielte.

Aber warum gilt das nur für das Einzelprojekt der Spielhalle? Die Stadt Lindau hat am 12. Juli 2013 bei einer Ortsbesichtigung eben in diesem Bereich Pläne von ganz anderen Dimensionen vorgestellt. Wenn dereinst die DB-Gleise 5 und 6 abgebaut, die noch bestehenden Hallen entfernt werden und das Gelände in das Eigentum der Stadt Lindau übergehen soll, will die Stadt Lindau große Teil für eine Wohnbebauung umnutzen. Wie wir bei der Ortsbesichtigung im letzten Jahr erfuhren, kann sich die Stadt Lindau eine Wohnbebauung für bis zu 1000 Menschen vorstellen.

Das löste bei uns große Besorgnisse aus, was wir sogleich an Ort und Stelle zum Ausdruck brachten. Für uns ist eine Wohnbebauung in dieser Lage mit dem nahen Naturschutzgebiet „Reutiner Bucht“, zugleich auch FFH-Gebiet, nicht zu vereinbaren. Zudem widerspräche das Vorhaben auch den Zielsetzungen aus der Alpenkonvention.

Wir haben all dies in unserem Schriftsatz vom 22. Juli 2013 an die Stadt Lindau ausführlich formuliert. Auf den entsprechenden Pressebericht in der Lindauer Zeitung vom 6. Aug. 2013 darf weiter verwiesen werden („BN will keine Wohnbebauung am Reutiner Ufer“). Ferner darf auf die umfangreiche Entgegnung vom 29. 7. 2013 des von der Stadt Lindau beauftragten Architekturbüros Laux verwiesen werden. Darin ist – in unseren Augen vergeblich – versucht worden, unsere Stellungnahme zu entkräften.

Die Stadt Lindau hat nun mit der Ablehnung der Spielhalle an der Ladestraße wohl unbeabsichtigt, aber deutlich unsere Position bestätigt. Was für die Spielhalle gilt, muss erst recht für die beabsichtigte Wohnbebauung gelten. Diese übersteigt in ihren Ausmaßen um ein Vielfaches den Umfang und die Belastungen einer Spielhalle. Nach unserer Ansicht hat die Stadt Lindau mit ihrer Ablehnung der Spielhalle einen wichtigen Kontrapunkt gegen eine zukünftige Wohnbebauung gesetzt. Dies möchten wir ihr hier in aller Deutlichkeit bewusst machen. Es würde einen gewaltigen Verlust an Glaubwürdigkeit darstellen, sollte die Stadt Lindau dereinst bei Plänen für eine Wohnbebauung an der Reutiner Bucht den Gründen keine Bedeutung mehr beimessen, die unter anderem den Bau einer Spielhalle scheitern ließen.

Wir jedenfalls betrachten die Bauausschussentscheidung von letzter Woche als ersten Schritt, dem Reutiner Uferbereich eine Wohnbebauung zu ersparen. Wir erlauben uns, einen Abdruck des Schreibens an das Architekturbüro Laux zu senden.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturschutzhäusle

Erich Jörg
Kreisvorsitzender



Stadtentwicklung im Bereich Ladestraße / Lindau Reutin


Grundstück am Kleinen See - Alpengarten

Grundstück am Alpengarten Sündermann

Am 21.02.2013 hat der Stadtrat eine Entscheidung getroffen, die vielen Menschen in Lindau große Freude bereiten wird. Das Ufergrundstück am Kleinen See mit der Flurnummer 12/4 wird niemals verkauft und bebaut werden.

Auch wir sind in höchstem Maße entzückt und freuen uns außerordentlich Zwar gab es bei Verwaltung und Stadtrat seit 2010 bis zur gestrigen Sitzung Irrungen und Wirrungen. Eine solide Vorarbeit und Recherche bereits zur nichtöffentlichen Tagung des Finanzausschusses im Jahre 2010 hätte das vermeiden können. Zu den ergiebigen Diskussionen in der Öffentlichkeit, zu Besorgnissen und  Befürchtungen bei Beteiligten und Anliegern, die seit dem Bekanntwerden der Verkaufspläne im Juni 2012 entstanden sind, hätte es gar nicht kommen müssen.  Das Ansehen der Stadt ist dadurch nicht gerade gestärkt worden.

Das Königreich Bayern war nämlich schon 1914 beim Verkauf des Ufergrundstücks 12/4 an die Gemeinde Aeschach, nachfolgend die Stadt, weise und vorausschauend, dass solch hochwertige Grundstücke direkt am Ufer nicht bebaut werden dürfen. Heute, 100 Jahre später, müsste das eine Selbstverständlichkeit sein. Vor dieser damaligen Weitsicht und Sensibilität können wir uns nur verneigen.

Nun ist alles noch einmal gut gegangen. Gerade rechtzeitig glückte Ihrer Verwaltung die Entdeckung dieser wunderbaren Festlegung aus dem Jahre 1914. Ohne den öffentlichen Druck von vielen Seiten wäre diese Wende nicht gelungen.

Wir sind überzeugt, dass die Stadt Lindau die Lehren aus diesen Vorgängen ziehen wird. Vor allen Dingen: Die Uferzonen sind ein zu kostbares Gut, um damit in Zukunft noch zu spekulieren. Schon 1914 wurde das erkannt. Das müsste eine Verpflichtung für alle Zeiten sein.

Der Lindauer Stadtrat hat mit seinem einstimmig gefassten Votum einen bemerkenswerten Schlusspunkt gesetzt.  Es wird in Lindau kaum Menschen geben, die dafür nicht dankbar sind.

Wir jedenfalls sind es! Das Bodenseeufer an dieser Stelle bleibt für alle Zeiten frei!

Der Lindauer Stadtrat hätte dem Bund Naturschutz in Bayern e. V. – ungewollt – zu seinem 100. Geburtstag in diesem Jahr kein passenderes und schöneres Geburtstagsgeschenk verabreichen können. Herzlichen Dank dafür!

Da der Stadtrat gestern zusätzlich beschlossen hat, durch die Anlage eines Weges einen Seezugang in diesem Bereich zu ermöglichen, bitten wir die Stadt Lindau recht herzlich, darauf zu achten, dass der Alpengarten offenkundig seit langem die Heimat von Amphibien geworden ist. Dem Vernehmen nach soll es sich um Geburtshelferkröten (oder Gelbbauchunken) handeln. Beide Arten sind entweder vom Aussterben bedroht oder gefährdet. Wir bitten die Stadt Lindau, entsprechende Prüfungen vorzunehmen und das Ergebnis bei den Planungen zu beachten.

Diesen Brief schrieb  Kreisvorsitzender Erich Jörg

Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturschutzhäusle an Oberbürgermeister Dr. Gerhard Ecker.

 

06.03.2013
Zur Stadtentwicklung Lindau und der Bahnhofsdiskussion hat die Kreisgruppe folgende Pressemeldung herausgegeben

Bezug nehmend auf die Veröffentlichung in der Lindauer Zeitung vom 25.02.2013 übermitteln wir Ihnen eine erste Einschätzung zum „Zwei-Bahnhöfe-Konzept“. Die vorgestellten, umfangreichen Planungen werden das Gesicht der Stadt Lindau in den nächsten Jahren und Jahrzehnten dramatisch verändern. Wir haben den Eindruck, dass bei den Planungen im Umfeld des Bahnhofes Reutin die autogerechte Stadt im Vordergrund steht und andere wichtige Aspekte wie Entwicklung des innerstädtischen Grüns und von Erholungsflächen, sowie der Ausbau des Radwegenetzes in den Hintergrund geraten sind.  Daneben finden wir frühere Stadtratsbeschlüsse und Gutachten zur Verbesserung der Grünstrukturen am Ufer und in den Uferbereichen (Seeuferplan, Gutachten Valentien & Valentien) nicht oder kaum berücksichtigt. Nachdem diese Planungen von derartiger Tragweite für die Stadt Lindau sind, halten wir eine intensive Bürgerbeteiligung für unabdingbar. Diese muss bereits jetzt während der Planungsphase erfolgen und nicht erst im Zuge der offiziellen Anhörungsverfahren einsetzen. Leider ist es bisher versäumt worden, die Öffentlichkeit genügend einzubinden.

Zu den einzelnen Schwerpunkten:

1. Laderstraße - Reutiner Bucht
Nach Ansicht des Bund Naturschutz ist es nicht akzeptabel, eine Wohnbebauung so nahe an das Naturschutzgebiet Reutiner Bucht heran zu rücken. Auch aus Immissionsschutzgründen ist es nicht nachvollziehbar, dass in unmittelbarer Nähe zu den Bahngleisen ein Wohngebiet geschaffen werden soll. Außerdem hält der BN die Schaffung eines Parkdecks südlich des neuen Reutiner Bahnhofes für nicht akzeptabel. Wichtiger ist an dieser sensiblen Stelle die Schaffung einer ausreichenden Pufferzone zum Seeufer. Die Nähe zum Naturschutzgebiet und die  notwendige Erschließung über die Ladestraße sind nicht vereinbar. Durch die Planungen würde die Entwicklung einer Grünzone am See z.B. im Zuge einer Landesgartenschau unterbunden. Davon abgesehen widersprechen sich die beiden angestrebten Planungen  Wohngebiet und Großparkplatz.

Mit diesen Vorschlägen werden Ergebnisse früherer Planungsprozesse ignoriert. In der Städtebaulichen Entwicklungsstudie zu Lindau 21 aus dem Jahre 1998 wurde vom Planungsbüro Valentien&Valentien eine „Rote Linie“ gesetzt zur Abgrenzung eines baulichen Entwicklungsbereiches im Norden und eines landschaftlichen Entwicklungsbereiches im  Süden zum See hin. Natürlich kann diese heute nicht mehr 1:1 übernommen werden, sondern muss der geänderten Bahnhofsplanung angepasst werden. Dies ist mit der massiven Wohnbebauung zwischen Bahnhof und Ladestraße jedoch obsolet. Die Rote Linie ist bis zur Ladestraße verschoben. die (ebenfalls in der Bewerbung zur Landesgartenschau vorgesehene) Entwicklung eines Seeuferparkes damit nicht mehr möglich

2. Verkehrsentwicklung Berliner Platz – Bregenzer Straße – Kolpingstraße
Der BN ist über die Absicht eines dreispurigen Ausbaus dieser Straßen erschrocken. Da soll eine gewaltige Asphaltschneise in das Lindauer Stadtbild gelegt werden, dem die vorhandene Platanenallee sicher weichen müsste. Hier wird das Denken für eine autogerechte Stadt besonders deutlich. An dieser Stelle wird es zu Stoßzeiten auch bei einem dreispurigen Ausbau noch Staus und Behinderungen geben. 

Es ist der Kreisgruppe unverständlich, woher die prognostizierte massive Verkehrszunahme kommen soll, da es durch die Schaffung von zwei Bahnhöfen in Lindau  sogar zu einer Entflechtung der Verkehrsströme zu den Bahnhalten kommen müsste. Wichtiger als ein Straßenausbau ist eine Verbesserung der Zubringermöglichkeiten durch den ÖPNV und der Ausbau des Radwegenetzes. Die Schaffung einer Unterflurtrasse am Berliner Platz hält der BN für weit überzogen.

Die Kreisgruppe stimmt der Meinung der Stadträte zu, dass eine Überführung an dieser Stelle städtebaulich nicht vertretbar ist. Die Planungen sollten jedoch möglichst platzsparend und unter Berücksichtigung der Park- und Baumlandschaft erfolgen. Vielleicht wäre das Beispiel am Radolfzeller Bahnhof nachahmenswert.

3. Unterführung Lotzbeckweg
Die Kreisgruppe stimmt der Meinung der Stadträte zu, dass eine Überführung an dieser Stelle städtebaulich nicht vertretbar ist. Die Planungen sollten jedoch möglichst platzsparend und unter Berücksichtigung der Park- und Baumlandschaft erfolgen. Vielleicht wäre das Beispiel am Radolfzeller Bahnhof nachahmenswert.

4. Lindau Insel
Die Insel Lindau stellt die touristische  Attraktion vor Ort dar. Deshalb wäre es dringend notwendig, diesem Umstand dadurch Rechnung zu tragen, dass die aufgelassenen Gleisbereiche nicht durch eine massive Bebauung ersetzt werden. Viel wichtiger wäre es im Sinne der Wohnbevölkerung und des Tourismus, hier eine ausgewogene Grünflächenentwicklung anzustreben. Eine sensible Bebauung sollte sich dem unterordnen. Eine Überplanung des Seeparkplatzes mit Gebäuden lehnt der Bund Naturschutz strikt ab. Stattdessen sollten frühere Ideen zur Entwicklung eines großzügigen Seeuferparkes wieder aufgegriffen werden. Dies kommt sowohl der Bevölkerung Lindaus, wie auch dem Tourismus zu Gute und die Stadt Lindau kann sich ihr Prädikat „Park- und Gartenstadt“ erhalten.

Fazit:
Die Kreisgruppe Lindau des Bundes Naturschutz steht  den planerischen Inhalten des vorgestellten „Zwei-Bahnhöfe-Konzepts“ sehr kritisch gegenüber. Planerische Ansätze und Stadtratbeschlüsse aus früheren Jahren, die für die Insel und den Seebereich an der Ladestraße Entwicklungen für ausgedehnte Grünzonen vorgesehen haben, werden ignoriert. Der Verkehrsbelastung wird nicht durch kreativen Ausbau des ÖPNV, bzw. des Radwegenetzes begegnet, sondern durch weiteren Straßenbau. Die Kreisgruppe Lindau fordert die Stadt auf, den Planungsprozess unter Einbeziehung der Öffentlichkeit fortzuführen und die Belange des Naturschutzes zu beachten.


Offener Brief an OB und Stadträte



Stellungnahme zum Bebauungsplan "Motzacher Tobelbach" vom 05.05.2011

Große Kreisstadt Lindau
Stadtplanung und Bauordnung
Bregenzer Straße 8
88131 Lindau

05.05.2011

Bebauungsplan Nr. 40 „Am Motzacher Tobelbach"

Ihr Schreiben vom 28.04.2011

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir danken für die Zusendung der Unterlagen in o.g. Verfahren und nehmen im Namen unseres Landesverbandes wie folgt Stellung.

Der Bund Naturschutz (BN) hat seit 2002 schon mehrmals zu diesem Vorhaben Stellung genommen und seine ablehnende Haltung aus Umwelt- und Naturschutzgründen deutlich gemacht (zuletzt am 17.10.2008). Verschärfend kommt nun die Altlastenproblematik hinzu und bestätigt die bisherige Vermutung über deren Gefährlichkeit. Der BN sieht sich in seiner ablehnenden Meinung bestätigt, dass allein schon aufgrund der Belastung durch Giftstoffe eine Bebauung an diesem Standort unverantwortlich ist.

In die Planungen wurde ein Sanierungskonzept für die Altlasten eingearbeitet. Dieses reicht bei weitem nicht aus, um den Bebauungsplan auf den Weg zu bringen. Es ist nach unserer Auffassung unvollständig und verschafft nur stellenweise annähernd Aufklärung. Dazu gehört z.B., dass in Teilbereichen Art und Umfang der Altlasten noch gar nicht untersucht wurden (Abbruchsubstanz der Gebäude, Boden unter den Gebäuden usw.).

Die vorgeschlagenen Entsorgungsmaßnahmen sind u. E. vollkommen unzureichend und dienen nicht der restlosen Gefahrenbeseitigung. So genügt es nicht, einen Bodenabtrag bis zu einer Tiefe von nur 35 - 40 cm vorzunehmen, obwohl die Belastung mit Mineralölkohlenwasserstoffen (MKW), Arsen, Chrom, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), Arsen und Blei bis in 330 cm festgestellt wurde. Es ist nicht gewährleistet, dass bei Gartenarbeiten wie Pflanzungen, Gartengestaltung durch Mauern, Terrassen usw. keine belasteten Substanzen aus den unteren Schichten nach oben gelangen.

In den untersuchten Oberbodenproben (bis max. 60 cm unter Geländeoberkante) wurden zusätzlich deutlich erhöhte Konzentrationen von PAK, MKW, Arsen, Blei, Chrom, Kupfer, Nickel und Quecksilber nachgewiesen. Dies ist ein Giftgemisch von allerhöchster Brisanz und macht eine Bebauung des Gebietes unverantwortlich.

Die Gefahren erhöhen sich, wenn Starkregenereignisse über dem Gebiet niedergehen und es zu Auswaschungen kommt.

Die Gefährdung für Familien mit Kindern ist hier besonders hoch anzusetzen, da Kinder beim Spiel im Freien mit den Giftstoffen in Kontakt kommen können.

Außerdem ist aufgrund der Unvollständigkeit des Sanierungskonzeptes ist mit deutlich höheren Kosten für die Altlastenbeseitigung zu rechnen, als die geschätzten 140.000 €. Wer trägt diese Mehraufwendungen? Der Bauwerber oder die Stadt?

Zu welchen Problemen der nachlässige Umgang mit Giftstoffen in Baugebieten führen kann, macht das Beispiel „Am Alpengarten" in Lindau deutlich, wo Jahre später die Belastungen aus dem früheren Holzbaubetrieb noch deutlich messbar waren und Folgemaßnahmen und –Kosten in erheblichem Aufwand erfordern würden, die aber jetzt nicht mehr möglich sind. Dieser Vorgang hat vor einigen Jahren zu erheblicher Unruhe bei den Anwohnern des Baugebietes und in der Öffentlichkeit gesorgt. Den Planern des Alpengartens muss möglicherweise zugute gehalten werden, dass ihnen bei der Baumaßnahme Art und Umfang der Gefährdung nicht bewusst war. Heute gilt das aber nicht mehr, weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse und die gesetzlichen Grundlagen sich verändert haben. Wer also heute noch auf verseuchten Böden eine Bebauung zulässt macht sich schuldig.

Wir erlauben uns den Hinweis, dass wir den Petitionsausschuss des Landtages anrufen werden, falls die Planungen am Motzacher Tobelbach trotz dieses Gefahrenpotentials fortgeführt werden.

Mit freundlichen Grüßen

Erich Jörg, Kreisvorsitzender
Isolde Miller, Geschäftsführerin


Pressemitteilung zum Flächennutzungsplan "Lindauer Bodensee-Fruchtsäfte" vom 07.07.2010

Pressemitteilung der Kreisgruppe Lindau (Bodensee) des Bundes Naturschutz in Bayern e. V. zur 1. Auslegung des Flächennutzungsplanes der Großen Kreisstadt Lindau (Bodensee) im Bereich des Gewerbegebietes Lindauer Bodenseefruchtsäfte GmbH in Schönau

Die CSU-Stadträte Willi Böhm, Roland Freiberg und Karl Schober „wunderten" sich über den Bund Naturschutz. Wie konnte er nur den Erweiterungsplänen der Lindauer Bodenseefruchtsäfte in Schönau zustimmen! Sie sahen den Entenberg bedroht und präsentierten sich dem staunenden BN-Beobachter auf der Stadtratssitzung als energische Verfechter für den Landschaftsschutz. Dabei verstieg sich Stadtrat Böhm sogar zu der Vermutung, der BN habe ob des erfolgreichen Apfelsaftprojektes mit der Firma Absprachen getroffen. Was war geschehen? Erich Jörg, der BN-Kreisvorsitzende, erklärt in einer Pressemitteilung hierzu: „Der Bund Naturschutz hat in der ersten Auslegung zum neuen Flächennutzungsplan der Gewerbegebietserweiterung im unmittelbaren Anschluss an den Bestand zugestimmt, verlangt aber, dass der Entenberg geschont werden müsse." In seiner Beurteilung vom 15. 12. 2009 sei es lediglich um den Flächenbedarf gegangen, nicht aber um einen Bebauungsplan, der erst die baulichen Festlegungen treffe, berichtet Erich Jörg. Der Kreisvorsitzende legt Wert auf die Feststellung, dass der BN trotz vielfacher kritischer Bewertungen auch zu Kompromissen bereit sei, wenn sie aus Sicht des Landschaftsschutzes akzeptiert werden könnten. Das sei auch an anderen Stellen der Fall. „Oder wäre dem Landschaftsschutz mehr gedient gewesen, sich gänzlich zu verweigern und eine Verlagerung der Lindauer Fruchtsäfte irgendwo in die freie Landschaft zu provozieren?" fragt Erich Jörg. Das hätte den entschiedenen Widerstand des BN hervorgerufen. „Die Kreisgruppe hat hier sorgsam abgewogen und entschieden", befindet der Lindauer Naturschützer. Die von Stadtrat Willi Böhm vermutete Absprache sei im Übrigen leicht zu entkräften. Als erste Besorgnisse aus der Bevölkerung an den BN herangetragen wurden, habe sich die gesamte Vorstandschaft der Lindauer Kreisgruppe bereits am 20. 07. 2009 zu einem Gespräch mit der Firmenleitung getroffen. Dabei sei klar geworden, dass der BN für eine Standortsicherung eintreten könne und einer maßvollen Erweiterung nicht im Wege stehen wolle. Die Naturschützer hätten den Geschäftsführer Klaus Widemann allerdings eindringlich gebeten, den Entenberg in Ruhe zu lassen und die baulichen Maßnahmen im Einklang mit dem Landschaftsbild vorzunehmen. Ferner sei er gebeten worden, zwischen kritischen Einlassungen zu den Erweiterungsplänen und dem erfolgreichen Apfelsaftprojekt zu trennen. „All dies hat der BN dem Stadtrat Willi Böhm in einem längeren Gespräch erläutert. Aber davon war bei ihm auf der jüngsten Stadtratssitzung nicht mehr die Rede", ist Erich Jörg von den Einlassungen des ehemaligen Lindauer Polizeichefs enttäuscht. Hier stand offenkundig die Absicht Pate, dem BN als unablässigen Mahner in Sachen Landschaftsschutz in schiefes Licht zu rücken.

Warum, so stellt sich für den BN die Frage, regte sich bei den drei CSU-Stadträten beim Schönauer Gewerbegebiet urplötzlich, höchst auffällig, aber leider nur einmalig das grüne Gewissen, während es anderswo reihenweise stumm blieb? Ohne Skrupel wurden trotz Bedenken von Fachbehörden und Stadtverwaltung Baufenster an den Ufern der Ach in Oberreitnau zugelassen. Bereits in der vorherigen Sitzung zum Flächennutzungsplan wurde die Totalverbauung am Schloss Moos bewilligt und die wertvolle Grünachse in der Rainhausgasse als Bauland ausgewiesen. Das Großprojekt „Vitalbad" im Landschaftsschutzgebiet am Bodenseeufer stößt bei ihnen auf keinerlei Bedenken, ebenso wenig die massive Ausweisung von Gewerbeflächen in Rickenbach oder der Bau eines Betriebes im Außenbereich in Unterreitnau, nur um ein paar herausragende und prekäre Beispiele zu nennen. Warum ist Landschaftsschutz nur am Entenberg wichtig und nicht an anderen Orten? Der BN unterlässt es, Vermutungen anzustellen. Aber er wundert sich sehr. Konsequenter und ehrlicher Naturschutz sieht anders aus. 

Lindau, den 07. 07. 2010
Bund Naturschutz in Bayern e. V.
Kreisgruppe Lindau (Bodensee)
Erich Jörg, Kreisvorsitzender