BN-Wald Rohrachschlucht als Naturwaldreservat geschützt

Zusammen mit Umweltminister Marcel Huber hat Martin Geilhufe, Landesbeauftragter des BUND Naturschutz in Bayern (BN), das Naturwaldreservat Rohrachschlucht auf BN-eigenen Flächen am 19.92018 offiziell ausgewiesen. Das Schutzgebiet ist das 165. Naturwaldreservat in Bayern. "Wir wollen damit vom BN auch auf eigenen Flächen dafür werben, dass es in Bayern wieder mehr Naturwälder gibt", so Martin Geilhufe. "Hier darf sich ein Urwald vor der Haustüre entwickeln", so Ralf Straußberger, BN-Waldreferent, "eine Waldwildnis zum Schutz der Artenvielfalt in den Wäldern". In Naturwaldreservaten ruht die forstliche Holznutzung und die Bäume dürfen in diesen Naturwäldern richtig alt werden und in Würde sterben, ohne dass der Mensch eingreift.
"Wir sind von der BN-Kreisgruppe Lindau sehr stolz, dass wir auf BN-eigenen Flächen das erste Naturwaldreservat im Landkreis Lindau und das erste Naturwaldreservat im Privatwald in Schwaben schützen können", freut sich Erich Jörg, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Lindau.

Die BN-Kreisgruppe Lindau hat im Rahmen der vom Bayerischen Natur-schutzfonds geförderten Gebietsbetreuung Moore, Tobel und Bodensee-ufer seit 2015 daran gearbeitet dieses Schutzgebiet einzurichten. "Wir danken der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft, den Naturschutz- und Forstbehörden für die Unterstützung bei der Ausweisung", so Gebietsbetreuerin Isolde Miller. Die 9 Flurstücke der 11 Hektar großen Fläche wurden in der Zeit von 1973 bis 1980 vom BN angekauft. Wegen des steilen Geländes wurde der Schluchtwald nur sehr extensiv bewirtschaftet.
Das Naturwaldreservat liegt im 177 ha großen Naturschutzgebiet und FFH-Gebiet "Rohrachschlucht", das als landesweit bedeutsam eingestuft wird. Die sehr naturnahen Schluchtwälder sind durch vielfältige Standortbedingungen geprägt und weisen viele Waldgesellschaften und eine hohe Vielfalt an Tier-, Pilz- und Pflanzenarten auf. Unter den Baumarten dominieren Tannen, Buchen und Fichten, außerdem ist die seltene Eibe mit alten und großen Exemplaren vertreten. In dem Gebiet sind allein sieben Spechtarten anzutreffen, darunter der sehr seltene Weißrückenspecht und der Dreize-henspecht. Eine Erfassung xylobionter Käferarten in den Allgäuer Tobel-wäldern erbrachte 2017 für das Naturschutzgebiet Rohrachschlucht die meisten Individuen, Arten und gefährdeten Arten. Insgesamt wurden 111 Arten nachgewiesen, darunter zwei vom Aussterben bedrohte Käferarten. Der BUND Naturschutz mit der Gebietsbetreuung wird in den nächsten Jahren unter Federführung der Regierung von Schwaben weitere Artengruppen erforschen.


Naturwaldreservate gelten als Perlen für die Waldartenvielfalt. Hier können so viel Totholz und so viele Strukturen im Laufe der Jahrzehnte entstehen, wie es sogenannte Urwaldarten zum Überleben benötigen. Diese Waldarten sind sehr selten, weil sie sehr hohe Ansprüche an ihren Waldlebensraum stellen. Wer solche Arten erhalten will, muss auf großen Waldflächen 50 bis 100 Festmeter Totholz pro Hektar zur Verfügung stellen. Dies kann aber im Wirtschaftswald, auch wenn er naturnah bewirtschaftet wird, wegen der Holznutzung nicht gelingen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes der Kreisgruppe, das mit Mitteln der Glücksspirale gefördert wurde, wurden im Naturwaldreservat bereits deutlich über 70 m³ Totholz pro Hektar festgestellt.


Im gesamten Regierungsbezirk Schwaben gibt es gesetzlich geschützte Naturwälder nur auf 0,25 Prozent der Waldfläche, und nur auf 0,59 Prozent der öffentlichen Waldfläche. Bayernweit sind nur ca. 3 Prozent der öffentlichen Waldfläche so konsequent geschützt. Nach Ansicht des BN muss das sehr lückige Netz an Naturwäldern in Bayern weiterentwickelt werden und um viele kleine, etliche mittelgroße und einige große Naturwaldgebiete ergänzt werden. So gibt es z.B. neben den beiden Nationalparken kein zusammenhängendes Naturwaldgebiet über 500 Hektar in ganz Bayern. Der BN hat deshalb ein Naturwaldverbundkonzept vorgelegt und appelliert an die Forstverwaltung und die Bayerischen Staatsforsten zusammen mit der Umweltverwaltung naturschutzfachlich fundierte Konzepte vorzulegen, um diese Defizite zu beheben.

 

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Zurück zum Urwald

Sie prägen das Landschaftsbild, sie bieten unzähligen Tier-und Pflanzenarten einen Lebensraum und sie schützen vor Lawinen, Murren, Erosion: Wälder. Einen besonderen Stellenwert hat beispielsweise der Tobelwald in der Rohrachschlucht, sagt Isolde Miller, Gebietsbetreuerin vom Bund Naturschutz. Das Gebiet sei zwar nicht groß, soll aber zusätzlich geschützt werden. Die Kreisgruppe Lindau hat beantragt, die BN-eigenen Grundstücke dort als Naturwaldreservat ausweisen zu lassen. Dies ist mittlerweile auch genehmigt. Die offizielle Einweihung soll noch in diesem Sommer stattfinden.

Die Tobelwälder im Westallgäu sind etwas Besonderes – allein aus geologischer und biologischer Sicht. Die tief eingeschnittenen Bachtäler zeigen viele Gesteinsschichten und haben auch eine sehr artenreiche Waldstruktur. Egal ob im Rohrach, im Kesselbachtobel, im Eistobel oder am Ellhofer Tobelbach: Hier wachsen viele Laubbäume wie Buchen oder Bergahorn. Anders als in manchen Wirtschaftswäldern ist beim natürlichen Vorkommen die Tanne – und nicht die Fichte – vorherrschendes Nadelholz. Und diese Baume haben eine wichtige Funktion: Sie sind Tiefwurzler und halten so den Boden fest. Denn durch Bäche und Flüsse, die einst die Tobel mit geformt haben, sind die Gesteinsschichten immer in Bewegung. Da die Flächen im Rohrach südexponiert sind und damit eine eignes Mikroklima besitzen, bieten sie vielen Vögeln, Käfern und anderen Tieren einen idealen Lebensraum. Bis auf eine Art leben hier alle in Deutschland vorkommenden Spechtarten. Durch die steile Lage des Waldes und umgestürzte Bäume kommt Licht bis auf den Boden. So gibt es auch eine sehr artenreiche Krautschicht.

 


Vollständiger Artikel von Bettina Buhl:


Tobelwald soll Naturwaldreservat werden

Was ist ein Naturwaldreservat?

Nach Waldgesetz, Art . 12a ist ein Naturwaldreservat:

  1. Natürliche oder weitgehend naturnahe Waldflächen können auf Antrag des Waldbesitzers als Naturwaldreservate eingerichtet werden.
  2. Sie sollen die natürlichen Waldgesellschaften landesweit repräsentieren und der Erhaltung und Erforschung solcher Wälder sowie der Sicherung der biologischen Vielfalt dienen.
  3. Abgesehen von notwendigen Maßnahmen des Waldschutzes und der Verkehrssicherung finden in Naturwaldreservaten keine Bewirtschaftung und keine Holzentnahme statt.

Woher kommt die Idee?

Gebietsbetreuerin Isolde Miller:" Derzeit wird der Waldfunktionsplan in unserer Planungsregion überarbeitet. Ich war zusammen mit unserem Regionalreferenten, Thomas Frey, bei der Auftaktveranstaltung. Danach habe ich mich intensiv mit dem Entwurf des Textteils beschäftigt. Dabei stellte ich fest, dass es im Landkreis Lindau kein einziges Naturwaldreservat gibt. Das kleinste Reservat in der Region 16 hat 10 ha (Hindelang). Wir besitzen im NSG Rohrachschlucht zusammenhängende Waldflächen von ca. 11,3 ha, die von der Bewirtschaftungsweise ein Naturwaldreservat werden könnten (letzte schonende und verjüngungsfördernde Maßnahme mit Seilbahn Januar 2010)

Warum unser Wald?

Nachdem die Tobelwälder jetzt Thema der Gebietsbetreuung sind und dadurch auch Öffentlichkeitsarbeit betrieben werden soll, um die naturnahe Waldnutzung und den schonenden Umgang mit diesen Waldstandorten zu propagieren. So könnte der BN auf eigenen Flächen mit leuchtendem Beispiel vorangehen, die damit verbundenen Aufgaben lägen bei der Gebietsbetreuung.

 

 

Das Grundstück in der Rohrachschlucht

Historie

Die Grundstücke auf der Gemarkung Scheidegg (ca. 13 ha) wurden in der Zeit von Januar 1973 bis Juli 1980 für insgesamt 40.200 DM vom BN gekauft. Treibende Kraft war Max Emmerich, 1. Vorsitzender bzw. dann 2. Vorsitzender der Kreisgruppe.

Im Jahr 1973 wurde ebenfalls ein Grundstück in der Rohrachschlucht (ca. 4 ha) in der Gemarkung Niederstaufen für 16.000 DM gekauft.

Laut mündlicher Überlieferung war damals ein großes Wanderwegenetz in der Rohrachschlucht geplant und der BN hat hier Sperrgrundstücke erworben.

Im Weiteren geht es um die Grundstücke der Gemarkung Scheidegg, da diese als zusammenhängende Waldgrundstücke etwa 11,3 ha ausmachen und deshalb auch als Naturwaldreservat beantragt werden könnten.

Mit der Verordnung vom 28.10.1992 wurde die Rohrachschlucht auf einer Größe von 177,5 ha zum Naturschutzgebiet (NSG) erklärt. Damals gab es enormen Widerstand von Landwirten und Waldbesitzern gegen die Ausweisung als NSG. Flächengleich mit dem NSG wurde die Rohrachschlucht als Natura-2000-Gebiet gemeldet. Der Managementplan ist derzeit in Arbeit. Die Kartierung ist abgeschlossen, der Maßnahmenplan wird derzeit erarbeitet.

Pflegemaßnahmen

Die Weidefläche von ca. 1,1 ha wird nicht mit einberechnet. Sie wird laut Nutzungsrecht im Kaufvertrag von den ehemaligen Eigentümern, die mittlerweile auf Bioland umgestellt haben, als Weide für Jungvieh genutzt. Es wird vereinbarungsgemäß nicht gedüngt.

Die einstige Streuwiese auf dem Grundstück 2239/2 mit etwa 0,15 ha Größe wurde in den Jahren 1996 – 2000 nach dem Vertragsnaturschutzprogramm gepflegt. Das Grundstück ist nur über eine Leiter erreichbar. Die Bewirtschaftung wurde wegen den sehr schwierigen Bedingungen (Abseilen des Mähgerätes, brüchige Leiter …) dann aufgegeben. Seitdem verbuscht die Fläche langsam, vor allem mit Laubhölzern wie Esche und Zitterpappel. Die Leiter, die der Jäger montiert hat, ist inzwischen zerfallen, der Jägerstand abgebaut.

Im Januar 2010 wurde auf dem Grundstück 478/3 eine Schutzwaldpflege zur Förderung der Naturverjüngung mittels Seilbahn durchgeführt. Die Maßnahme wurde vom beratenden Förster Christian Müller befürwortet und begleitet.

Wir das Grundstück zum Naturwaldreservat, ist es zukünftig verboten dort beispielsweise Holz zu schlagen oder anderweitig den Wald forstwirtschaftlich zu nutzen. Eine Ausnahme bilden lediglich Maßnahmen die aus Sicherheitsgründen notwendig werden.

Mögliche Vernetzungen

Da die Rohrachschlucht insgesamt in einem sehr guten naturnahen Zustand ist, können möglicherweise noch weitere Flächen zu einem Naturwaldreservat auf BN-Grundstücken hinzukommen oder damit vernetzt werden. So gibt es auf österreichischer Seite bereits seit 1992 das Naturwaldreservat Rohrach mit einer Größe von 47,5 ha in unmittelbarer Nähe. Weiterhin gibt es Flächen in kommunaler Hand, zu denen man Verbindungen herstellen könnte.

Aktueller Zustand

Da im letzten Jahr die Kartierung für den FFH-Managementplan stattgefunden hat, können wir sehr detaillierte Aussagen über den derzeitigen Zustand machen.

Boris Mittermeier vom AELF in Krumbach, FFH-Kartierer, sieht den Zustand des BN-Grundstückes als geeignet für ein Naturwaldreservat.