Gentechnik

Agro-Gentechnik ist überflüssig und risikoreich. Der Bund Naturschutz ist Mitglied im "Bündnis gentechnikfreie Region Bodensee-Allgäu-Oberschwaben"

Kontakt: Werner Lettmaier  genfrei-sued@t-online.de

Hier erfahren Sie mehr: www.meine-landwirtschaft.de

http://www.keine-gentechnik.de/termine.html

Protest erfolgreich: Bundesrat stoppt Gentechnik im Saatgut

Aktion von Campact und Save Our Seeds bewegt die Ministerpräsidenten: Klare Mehrheit gegen Gentechnik im Saatgut / 64.000 Unterschriften in acht Tagen / "Gentechnik auf dem Acker und im Saatgut ist in Deutschland nicht durchsetzbar"

Berlin, 18.3.2011
Heute wurde im Bundesrat ein Antrag, die bisherige Nulltoleranz für die gentechnische Kontamination von Saatgut durch eine "technische Lösung" zu ersetzen, mehrheitlich abgelehnt. Im Agrarausschuss des Bundesrates hatte er am 28. Februar noch eine Mehrheit gefunden. Die geplante Aufweichung der Saatgutreinheit war Anlass eines kurzfristigen, breit getragenen Protests gewesen.

„Diese krachende Niederlage für die Gentechnik-Lobby ist der Erfolg massiven Engagements von Bürgerinnen und Bürgern in den vergangenen Tagen“, sagte Astrid Goltz vom Kampagnen-Netzwerk Campact, das zusammen mit der Initiative „Save Our Seeds“ die Proteste organisiert hatte.

"Ein guter Tag für die gentechnikfreie Landwirtschaft und Ernährung!" freute sich Benedikt Härlin von Save Our Seeds, "Agro-Gentechnik ist und bleibt in Deutschland nicht durchsetzbar. Die Nulltoleranz für Gentechnik im Saatgut muss in Deutschland, aber auch in Europa weiterhin ohne Wenn und Aber gelten.“

Vor dem Bundesratsgebäude appellierten heute morgen rund 100 Aktive von Campact und Save our Seeds an die Ministerpräsidenten, die Nulltoleranz für Gentechnik im Saatgut ohne Abstriche beizubehalten. Ländervertreterinnen und –vertreter von SPD,  Grünen und CDU bestärkten sie in ihrem Anliegen. Ihnen wurden 65.000 Unterschriften gegen Gentechnik im Saatgut überreicht. Ein Bündnis von Landwirtschafts-, Umwelt- und andern Bürgerorganisationen, gentechnikfreien Regionen und Unternehmen hatte sie in den vergangenen acht Tagen gesammelt.

Die 42 Organisationen und Initiativen fordern, weiterhin jede gentechnische Verunreinigung von Saatgut zu verhindern, verpflichtende Selbstkontrollen für Saatguterzeuger einzuführen und Saatgut unverzüglich aus dem Verkehr zu ziehen, wenn darin gentechnische Verunreinigungen festgestellt werden; egal in welcher Konzentration. Für die Kosten müsse das Verursacherprinzip gelten.

Der Antrag zur Aufweichung der Saatgutreinheit war von den Ländern Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg als Änderung zu einer Entschließung aus Bayern eingebracht worden, nachdem zuvor die Saatgut-Industrie eine „Abkehr von der Nulltoleranz“ im Saatgut gefordert hatte. Die geltende Nulltoleranz für Gentechnik im Saatgut solle per Verordnung durch eine "für alle Wirtschaftsbeteiligten praktikable technische Lösung" abgelöst werden. Im Agrarausschuss des Bundesrates hatte er am 28. Februar noch eine Mehrheit gefunden. Mitglieder des Bündnisses hatten diese Woche in Bremen, Hamburg, Hannover, Schwerin, Gießen und Stuttgart demonstriert.

Der jetzt im Original vom Bundesrat angenommene  Antrag aus Bayern fordert, es müsse „im Gentechnikgesetz unmissverständlich klargestellt werden, dass für die Reinheit von Saatgut einzustehen hat, wer es einführt oder sonst erstmals in den Verkehr bringt.“

Leserbrief zur Gentechnik vonWalter Haefeker, Präsident des Europäischen Berufsimkerbundes

Leserkommentar

27.12.2010 17:35 UHR:

Vergeltung und Propaganda. US-Diplomatie im Dienste von Monsanto: Die von WikiLeaks veröffentlicht Strategie zur Durchsetzung von GVO in der EU wurde auch ganz intensiv in Deutschland umgesetzt. Am 12. Mai 2004 fand in Gernlinden bei Fürstenfeldbruck im Bürgerheim eine Veranstaltung der CSU-Bundestagsabgeordneten für Landwirte zur "Grünen Gentechnik" statt. Das war zunächst nicht weiter verwunderlich, denn für die CSU passte damals diese neue Technologie zur Landwirtschaft, wie der Laptop zur Lederhose. Auch die Tatsache, dass ein Vortrag vom bayerische Gentechnikpapst, Professor Gerhard Wenzel, auf der Tagesordnung stand, passte perfekt in Bild. Ungewöhnlich war auch nicht, dass der persönliche Referent von Gerd Sonnleitner, Markus Seemüller, mit auf dem Podium saß. Die Funktionäre des Bauernverbandes ahnten damals ja noch nicht, wie groß der interne Widerstand an der Basis werden würde.

Was mich wirklich erstaunte, als ich den Saal betrat, war eine weitere Gruppe von Gästen auf dem Podium. Gernlinden, ein Ort mit knapp 5000 Seelen hatte hohen Besuch. Der Handelsattaché an der amerikanischen Botschaft in Berlin war zusammen mit zwei Diplomaten aus dem amerikanischen Generalkonsulat in München angereist, um den Oberbayerischen Landwirten die Vorzüge der Agro-Gentechnik näher zu bringen.

In den folgenden Jahren, war ich als Vertreter der deutschen Berufsimker immer wieder Zeuge dieser Kampagne, die immer nach dem gleichen Muster ablief. Deutsche Politiker wurden von den Diplomaten gebeten, Veranstaltungen zum Thema Bio-Technologie durchzuführen. Das amerikanische Außenministerium stellte dazu "unabhängige" Wissenschaftler und "begeisterte" Landwirte als Referenten zur Verfügung. In Bayern lud dazu in der Regel die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft ein.

Was mich wirklich erstaunte, als ich den Saal betrat, war eine weitere Gruppe von Gästen auf dem Podium. Gernlinden, ein Ort mit knapp 5000 Seelen hatte hohen Besuch. Der Handelsattaché an der amerikanischen Botschaft in Berlin war zusammen mit zwei Diplomaten aus dem amerikanischen Generalkonsulat in München angereist, um den Oberbayerischen Landwirten die Vorzüge der Agro-Gentechnik näher zu bringen.

In den folgenden Jahren, war ich als Vertreter der deutschen Berufsimker immer wieder Zeuge dieser Kampagne, die immer nach dem gleichen Muster ablief. Deutsche Politiker wurden von den Diplomaten gebeten, Veranstaltungen zum Thema Bio-Technologie durchzuführen. Das amerikanische Außenministerium stellte dazu "unabhängige" Wissenschaftler und "begeisterte" Landwirte als Referenten zur Verfügung. In Bayern lud dazu in der Regel die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft ein.

Die Kampagne richtete sich aber nicht nur an Bürger und Landwirte. Die US-Diplomaten wandten sich auch an führende Politiker auf Bundes- und Länderebene mit der Bitte, unter Ausschluss der Öffentlichkeit Informationsveranstaltungen für Parlamentarier durchführen zu dürfen. So wandte sich der amerikanische Generalkonsul 2008 an die Landtagspräsidentin und bot einen interfraktionellen Informationsaustausch ("ergebnisoffener Dialog") zum GVO-Anbau an. Dies war allein in Bayern die fünfte Veranstaltung als Teil vom "Biotech Outreach Program" für Europa. Weitere Stationen dieser Gentechniktournee waren ein Seminar mit 60 Agrarstudenten am Lehrstuhl für Pflanzenzüchtung in Weihenstephan, ein Treffen mit dem Kreisbauernverband Rottal und ein Gespräch in der Staatlichen Höheren Landbauschule Rottalmünster. Weiter ging es dann nach Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Brandenburg.

Eine der Oppositionsfraktionen im Bayerischen Landtag bat mich damals, für einen Tag als Mitarbeiter der Fraktion zur Verfügung zu stehen und die Vorträge kritisch zu hinterfragen. Auch für diesen Fall hatten die Diplomaten vorgesorgt. Großzügigerweise hatten sie den Dolmetscher zur Verfügung gestellt. Sie hatten allerdings weder mit fachlich gut informierten Teilnehmern noch mit exzellenten Englischkenntnissen gerechnet. Als in einigen Fällen der "neutrale" Wissenschaftler zugeben musste, dass seine Ausführungen in wichtigen Punkten nicht richtig waren, musste ich den Dolmetscher auffordern, die Antwort für die Parlamentarier bitte korrekt zu übersetzen. Dieser hatte die Aussagen im Sinne des Outreach Programms mal eben elegant in seiner Übersetzung glatt gebügelt.

Vergeltung und Propaganda. US-Diplomatie im Dienste von Monsanto: Die von WikiLeaks veröffentlicht Strategie zur Durchsetzung von GVO in der EU wurde auch ganz intensiv in Deutschland umgesetzt. Am 12. Mai 2004 fand in Gernlinden bei Fürstenfeldbruck im Bürgerheim eine Veranstaltung der CSU-Bundestagsabgeordneten für Landwirte zur "Grünen Gentechnik" statt. Das war zunächst nicht weiter verwunderlich, denn für die CSU passte damals diese neue Technologie zur Landwirtschaft, wie der Laptop zur Lederhose. Auch die Tatsache, dass ein Vortrag vom bayerische Gentechnikpapst, Professor Gerhard Wenzel, auf der Tagesordnung stand, passte perfekt in Bild. Ungewöhnlich war auch nicht, dass der persönliche Referent von Gerd Sonnleitner, Markus Seemüller, mit auf dem Podium saß. Die Funktionäre des Bauernverbandes ahnten damals ja noch nicht, wie groß der interne Widerstand an der Basis werden würde.

Dank WikiLeaks wird nun langsam der ganze Umfang der Amerikanischen Lobbyarbeit in Europa sichtbar.

Walter Haefeker Mitglied des Vorstandes Deutscher Berufs und Erwerbsimkerbund e.V. Präsident des Europäischen Berufsimkerbundes