Wildkatzenkartierung in Bayern – nun liegen die Ergebnisse vor

Das Bayerische Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, die Bayerischen Staatsforsten (BaySF) und der BUND Naturschutz (BN) waren jeweils im Spätwinter 2013, 2014 und 2015 – in diesem Jahr erstmals auch in Südbayern ‐ gemeinsam der sehr seltenen Wildkatze, auf der Spur. Staatsminister Helmut Brunner und der BN‐Vorsitzende Hubert Weiger stellten die  Ergebnisse des Forschungsprojekts vor. 700 Mitarbeiter der BaySF, Jäger und Ehrenamtliche des BN suchten mit „Lockstöcken“ nach Haaren der äußerst heimlichen Tierart. Hubert Weiger: „Durch eine weltweit einmalige Untersuchung der Wildkatzenbestände mit einem bespiellosen ehrenamtlichen Einsatz wissen wir heute: Die Wildkatze breitet sich von Nordbayern kommend allmählich auch in Südbayern aus.“

Die Europäische Wildkatze ist eine echte Ureinwohnerin – sie durchstreifte unsere Wälder schon lange bevor die Römer die ersten Hauskatzen aus Afrika mitbrachten. Deutschlandweit wurde sie durch intensive Bejagung fast ausgerottet. Heute ist sie streng geschützt – bundesweit sind ihre Bestände derzeit zunehmend. In Bayern rechnen die Experten des BN aktuell mit ca. 500 Tieren. Die neuen Untersuchungsergebnisse aus Südbayern zeigen, dass die Rückkehr einer ausgerotteten Art viel Geduld braucht: Trotz des Einsatzes von ca. 1.100 Lockstöcken in Südbayern im Frühjahr 2015 wurden nur an 16 Lockstöcken Wildkatzenhaare nachgewiesen. Erfreulicherweise bestätigt haben sich die Nachweise zwischen Augsburg und Ulm nördlich und südlich der Donauauen sowie an den südlichen Rändern der bekannten nordbayerischen Vorkommen. Keine Nachweise gelangen in den waldarmen Bereichen im Südosten und Osten von Bayern und in den Alpen. Noch liegt die Wildkatzennachweisdichte in Südbayern um das Zehnfache unter der Nordbayerns – dort beginnt gerade die Wiederbesiedlung, oft erst durch einzelne wandernde Tiere. So gab es leider auch im Landkreis Lindau keinen Wildkatzennachweis, wie Gebietsbetreuerin Isolde Miller vom BUND Naturschutz berichtet. „Unsere Haarproben aus dem Degermoos und den Trogener Mooren waren leider keine Wildkatzenhaare,“ bedauert sie.  In der Rohrachschlucht habe sich gar kein Tier an den Lockstöcken gerieben.  „Aber was nicht ist, kann ja noch werden, Lebensraum gäbe es bei uns jedenfalls,“ ist Isolde Miller überzeugt.

INFO: Die Lockstockmethode ‐ Katzen lieben Baldrian

Um an diese Nachweise zu gelangen, setzt der BN eine elegante und effiziente Methode ein. Baldrian lockt die scheuen Katzen an. Raue Holzstäbe als „Lockstöcke“ werden an geeigneten Stellen in den Waldboden gesteckt und mit Baldrian‐Lösung besprüht. Reiben sich Wildkatzen daran, so bleiben einige Haare, eingeklemmt im Holz, zurück. Die abgesammelten Haare werden genetisch untersucht. Nur so können Wildkatzen von oft ähnlich gefärbten Hauskatzen sicher unterschieden werden. In Bayern führt diese Analysen das Bayerische Amt für forstliche Saat‐ und Pflanzenzucht (ASP, Teisendorf, Oberbayern) durch. Diese Daten gehen dann zur weiteren wissenschaftlichen Auswertung und Detailanalyse an das Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen (Hessen), das dort zusammen mit dem Bundesamt für Naturschutz und dem BUND eine bundesweite genetische Datenbank zur Wildkatze aufgebaut hat.


Kehrt die Wildkatze zu uns zurück?

Die Wildkatze hat sich inzwischen punktuell in ganz Bayern wieder angesiedelt. Nun soll in Erfahrung gebracht werden, ob diese seltene Tierart auch im Landkreis Lindau heimisch geworden ist. Drei Freiwillige haben deshalb unter der Anleitung von Gebietsbetreuerin Isolde Miller sogenannte „Lockstöcke“ in Waldgebieten vom Degermoos, in den Trogener Mooren und in der Rohrachschlucht aufgestellt. Die Grundstücke gehören zum einen der Kreisgruppe des BUNDes Naturschutz selbst, zum anderen werden landkreiseigene Grundtücke von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) zur Verfügung gestellt.

Diese „Lockstöcke“ sind circa 60 cm lange Dachlatten, die etwa 15 cm in den Boden gesteckt werden, nachdem sie angeraut wurden. Ist der Stock dann im Boden, wird er abgeflammt und mit Baldrian besprüht. Die Wildkatzen werden von dem Baldriangeruch angelockt. Ziel ist es, dass die Wildkatze sich an dem angerauten Stock reibt und dabei Haare verliert. Diese werden dann von den freiwilligen Helfern bei jeder Kontrolle eingesammelt und an ein Labor geschickt. Die Kontrolle erfolgt nun alle 7-10 Tage, 8 bis 10 Wochen lang.

Das „Wildkatzenprojekt“ läuft bereits seit 1984. Dabei wurden bis 2009 vor allem im Spessart rund 600 Wildkatzen ausgesetzt. Laut Huber Weiger (Vorsitzender des Landes- und Bundesverbandes des BUND) wurden schon ca. 300 Wildkatzen in Bayern aufgespürt. Zuerst jedoch nur in Nordbayern. Nun konnten auch südlich der Donau, im Raum Augsburg und im Landkreis Unterallgäu erste Vorkommen nachgewiesen werden. Dadurch wurde das Projekt auf ganz Südbayern ausgeweitet und soll zeigen, ob die scheuen Waldbewohner auch schon ganz im Süden Bayerns angelangt sind.

„Wir sind sehr gespannt, ob wir bei den Kontrollen Katzenhaare an den Lockstöcken finden. Das wäre schon toll,“ so die Bundesfreiwillige Sarah Fehr, die mit in das Projekt eingebunden ist. Gebietsbetreuerin Isolde Miller würde eine Ansiedlung der Wildkatze im Landkreis sehr begrüßen: „Dies wäre ein weiteres Zeichen dafür, dass Naturschutzbemühungen und Schutzgebietsausweisungen  fruchten und der Artenvielfalt dienlich sind.“


Die Wildkatze - eine heimliche Waldbewohnerin Deutschlands

Auch Experten bekommen sie nur in seltenen Fällen in der freien Wildbahn zu Gesicht. Seit mehr als 25 Jahren setzt sich der BN für die Rückkehr der Wildkatze in die bayrischen Wälder ein.Nachdem die Wildkatze in Bayern ausgestorben war, kehrt sie allmählich wieder nach Bayern zurück.

Auch der Regierungsbezirk Schwaben ist Wildkatzeneinwanderungsland.

Weitere Informationen erhalten sie unter den unten angegebenen Links:

http://www.bund-naturschutz.de/themen/artenbiotopschutz/wildkatze.html

http://www.wildkatze.info/

Steckbriet der Europäischen Wildkatze:
(http://www.bund.net/themen_und_projekte/rettungsnetz_wildkatze/europaeische_wildkatze/steckbrief/ )

·         Aussehen: ähnlich einer braun-grau-gemusterten Hauskatze, aber buschiger Schwanz mit dunklen Ringen und stumpfem, schwarzen Ende; Fellzeichnung nicht kontrastreich, sondern verwaschen; besonders im Winterfell gedrungen und kräftiger als Hauskatze wirkend

·         Größe: etwa wie Hauskatze

·         Gewicht: Katzen meist um vier Kilogramm; Kater um fünf Kilogramm

·         Nachwuchs: zwei bis vier (max. sechs) Junge pro Wurf, kommen zwischen März und September zur Welt; die meisten Würfe im April; zweiter Wurf im Herbst, normalerweise nur bei Verlust des ersten

·         Nahrung: in Mitteleuropa vor allem Mäuse; seltener und je nach Angebot: Kaninchen, Eidechsen, Frösche, Insekten, Kleinvögel; Aas nur ausnahmsweise; kaum pflanzliche Nahrung

·         Spuren: Pfotenabdruck wie Hauskatze: rundlicher Umriss; Ballen und vier Zehen, aber keine Krallen im Abdruck (von den fünf Vorderzehen erscheint der Daumen nicht im Abdruck, die hinteren Pfoten haben nur vier Zehen)

·         Tragzeit: 63 bis 69 Tage

·         Alter: etwa sieben bis zehn Jahre, in Gefangenschaft über 15 Jahre