Pressemitteilung zu den Presseberichten in der Schwäbischen und Lindauer Zeitung vom 22. Mai 2014: „Daimler verkauft Standort in Weißensberg“

„Wir mussten uns erst einige Minuten sammeln, um die Tragweite zu begreifen“, erklärt fassungslos Erich Jörg, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe im Landkreis Lindau (Bodensee) in einer Pressemitteilung zu den Berichten in der Schwäbischen Zeitung (Wirtschaftsteil) und der Lindauer Zeitung (Lokalteil), wonach die Daimler AG die Niederlassung in Weißensberg verkaufen will. Dabei sei der Betrieb erst im September 2012 vor 500 geladenen Gästen und einem anschließenden Tag der offenen Tür der Allgemeinheit pompös vorgeführt worden. Weißensbergs Bürgermeister Hans Kern habe damals stolz betont, mit 9 Millionen Euro sei das die größte Einzelinvestition eines Unternehmens in der Geschichte Weißensbergs gewesen. Weißensberg erhoffe sich viele neue Arbeitsplätze und ein Plus von Gewerbesteuereinnahmen. Und jetzt, nach nicht einmal zwei Jahren gelte das alles nicht mehr, ringt der Lindauer Naturschützer nach Worten. „Die Daimlersche Unternehmensstrategie ist einem erschreckend kurzen Verfallsdatum unterworfen“, so Erich Jörg weiter. Mensch und Natur würden hierbei keinerlei Rolle mehr spielen. „Dem Bund Naturschutz wurde bei seinem Widerstand gegen die Ausweisung der Gewerbefläche am nordöstlichen Tor zum Bodensee in Rothkreuz im Planverfahren gehörig Kritik verpasst“, berichtet der Kreisvorsitzende aus der Vergangenheit. Sie habe an Schärfe zugenommen, als der BN gar noch ein Gerichtsverfahren vor dem Bayer. Verwaltungsgerichtshof angestrengt habe, was aber leider verloren gegangen sei. „Die Schelte am BN gipfelte im Austritt von Bürgermeister Hans Kern aus unserem Verband und in dem bösen Vorwurf des damaligen Mercedes-Bezirksleiters, der Lindauer Kreisgruppe seien Grashalme wichtiger als Arbeitsplätze“, ärgert sich noch heute Erich Jörg.

Der Stuttgarter Weltkonzern mit dem Stern fühle sich aber in Wahrheit nur den Zielen der Globalisierung und der Gewinnmaximierung verpflichtet. Die Wahrung von Arbeitsplätzen oder gar die Schonung der Landschaft ist Nebensache oder gar kein Thema“, schreibt die Lindauer BN-Kreisgruppe in der Verlautbarung. Das Personal versetze man mit der Geschäftspolitik in Zukunftsängste. Schon vorher seien durch die Verbauung von 9 Millionen Euro der einst freie Außenbereich vor den Toren des Weißensberger Ortsteils Rothkreuz durch Beton und Asphalt ruiniert worden‚ skrupelloser ginge es kaum.

Die Stuttgarter Autobauer hätten wohl selten eine Kommune drastischer vorgeführt wie Weißensberg. Diese Gemeinde sei den Verlockungen und Versprechungen der Weltfirma erlegen und hätte bereitwillig eine wichtige Grünachse aufgeopfert, um die Mercedes-Niederlassung nach Weißensberg zu holen.  Dies sei die zweite Enttäuschung für Weißensberg, nachdem der Handelsriese Edeka seit 2007 einen Lebensmittelmarkt versprochen und bisher nicht gebaut habe. Ob diese Lektion hier wie anderswo endlich begriffen werde, fragt sich der Lindauer Kreisvorsitzende Erich Jörg.

Er erinnert den Weltkonzern an seinen Läuterungsprozess, den er angeblich durchlaufen habe, als das Bundesverfassungsgericht vor über 20 Jahren in letzter Minute den Bau einer desaströsen Teststrecke im lieblichen Taubertal bei Bad Mergentheim verhindert hat. In Zukunft, so die Autobauer, wolle man mit Mensch und Natur pfleglich und einvernehmlich umgehen. „Im Fall von Weißensberg ist davon nichts erkennbar“, stellt Erich Jörg mit Betroffenheit fest. Die Stadt Immendingen solle deshalb auf der Hut sein, warnt der Kreisvorsitzende. Dort solle nach dem Willen der Daimler AG auf einem ehemaligen Bundeswehrgelände der nächste Versuch zum Bau einer Teststrecke begonnen werden.

Der Bund Naturschutz habe bei der Einweihung der Daimler-Niederlassung in Weißensberg im September 2012 mit dem Spruchband „Heimat ade“ demonstriert. Das gelte nun in besonderem Maße.

V. i. S. d. P.: Erich Jörg, Kreisvorsitzender


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