Vogelschutzgebiet bayerischer Bodensee

Eine Diskussion, die hohe Wellen schlägt

Pressemitteilung 16.10.13

Der Internationale Bodenseemotorsportverband hat auf seiner jüngsten Generalversammlung in Schaffhausen erklärt, die Regierung von Schwaben und das Lindauer Landratsamt wollen bei den Managementplanungen für die Vogelschutzgebiete "praktisch das gesamte bayerische Bodenseeufer sperren." Die Lindauer Kreisgruppe des Bundes Naturschutz zeigt sich über diese Aussage empört. "Das ist unerhört, wahrheitswidrig und reine Stimmungsmache", entrüstet sich Kreisvorsitzender Erich Jörg. Diese Pauschalierung diene nur dazu, den Naturschutz insgesamt zu diskreditieren. Wider besseres Wissen würde das schon zum wiederholten Male behauptet. Dabei seien die Motorboot- und Seglerverbände aus erster Hand bei den Runden Tischen in Lindau, Nonnenhorn, bei Besprechungen in Augsburg sowie über das Internet von der Regierung von Schwaben genauestens ins Bild gesetzt worden, was die von der EU vorgeschriebenen Managementplanungen beinhalten.

Tatsächlich gehe es um einige Beschränkungen am bayerischen Bodenseeufer in der Herbst- und Winterzeit, und zwar vom 15. Oktober bis 15. März in der Wasserburger Bucht, nahe dem Aquamarin, der Schachener, der Reutiner Bucht und am Wäsen. Außerhalb dieser Zeitspanne stünden die Bereiche den Wassersportverbänden voll zur Verfügung, bis auf die bereits vorhandenen Naturschutzgebiete in Reutin und Wasserburg mit den vorgeschlagenen Erweiterungen der Schutzzone. Gerade während dieser Winterruhezeit sei der Wassersport auf ein Minimum beschränkt, erläutert der BN in einer Pressemitteilung. Somit könne der BN nicht erkennen, wie die Wassersportverbände überhaupt behindert seien. Von den wenigen, die sich zur Winterszeit auf den rauen See wagen, dürfe doch eine gewisse Rücksichtnahme verlangt werden können. Der Bund Naturschutz erinnert an die vorbildliche Haltung des Lindauer Kanuklubs. Die Kanuten hätten sich schon seit vielen Jahren in einer Erklärung gegenüber dem Landratsamt verpflichtet, die Schachener Bucht nicht zu befahren, wenn dort Vogelschwärme lagern.

Dies alles habe der Internationale Bodenseemotorsportverband in seiner Erklärung gegenüber der Öffentlichkeit nicht differenziert, sondern von einer Aussperrung gesprochen. "Das ist infam und einem international tätigen Verein nicht würdig", erzürnt sich Erich Jörg.

Der Bund Naturschutz ist auch darüber aufgebracht, dass die Wassersportverbände die in einem Gutachten aufgelisteten Vogelzahlen angezweifelt haben. Dabei würden die Vogelzählungen von anerkannten Ornithologen und Biologen seit Jahrzehnten auf wissenschaftlichen Grundlagen vorgenommen. "Deren Arbeit infrage zu stellen, ist unseriös und zeigt auf, mit welch unlauteren Methoden die Managementplanungen bekämpft werden", so der Lindauer Kreisvorsitzende zornig.

Er ruft die Allianz aus Motorboot- und Seglerverbänden auf, die durch nichts gerechtfertigte Polemik zu verlassen und zu einer sachlichen Auseinandersetzung zurückzukehren. Auf dieser Grundlage sei es sicher möglich, zu einer für alle Seiten tragfähigen Lösung zwischen Naturschutz und Freizeitnutzung zu kommen.

V. i. S. d. P.: Erich Jörg, Kreisvorsitzender

12.06.13 Pressemitteilung zur FFH-Managementplanung
Vogelschutzgebiet am bayerischen Bodensee

Der Bund Naturschutz ist ziemlich erschüttert über die kompromisslose Härte, mit der Bodenseenutzer gegen die FFH-Managementplanungen der Regierung von Schwaben zum Vogelschutzgebiet am bayerischen Bodenseeufer vorgehen. Die Kompetenz und Sachkunde der Regierungsvertreter und des beauftragten Planers würden teilweise massiv in Zweifel gezogen und die auf wissenschaftlicher Grundlage erarbeiteten Vogelzählungen bestritten, bedauern die Lindauer Naturschützer in einer Pressemitteilung. Jetzt drohen gar die Lindauer Segler mit einer Klage. Diese liefe wohl ins Leere. Sie seien durch die Winterruhezonen weder betroffen, noch wären sie im Besitz von Wasserflächen, die als Schutzzonen während der Winterzeit ausgewiesen werden sollen, urteilt der Lindauer Kreisvorsitzende Erich Jörg. "Während die Diskussion im Lindauer Alten Rathaus noch zivilisiert ablief, sank das Niveau im Nonnenhorner Stedi deutlich", stellt Jörg bedauernd fest. So sei der Naturschutz mit "Ökoterrorismus" gleichgesetzt worden. Ein anderer befand, für ihn sei Naturschutz nur ein Schimpfwort. Der Lindauer Kreisvorsitzende ist darüber fassungslos. Dabei könnten, urteilt der Bund Naturschutz, nur wenige, wie Anlieger zum Beispiel, eine greifbare Beeinträchtigung durch die Ruhezonen vorweisen. Ansonsten sei vielfach der pure Egoismus zum Vorschein gekommen. Auch von der Bereitschaft zu einer freiwilligen Selbstbeschränkung, wie es die Lindauer Kanuten seit über einem Jahrzehnt vorbildlich an der Schachener Bucht praktizieren, wäre bei den Diskussionen der letzten Woche kaum die Rede gewesen. Solche Vereinbarungen funktionieren auch auf anderen bayerischen Seen bereits.

Die Segler könnten nicht belegen, warum sie durch die Ausweisung der Winterruhezonen Schachener Bucht und am Wäsen in der Zeit vom 15. 10. bis 15.03. überhaupt behindert wären, so Jörg weiter. Diese Zonen seien keine ausgesprochenen Segelgebiete und außerdem seien in dieser rauen und oft nebligen Jahreszeit auf dem See nur sehr wenige Segler unterwegs. Sie seien seiner Meinung nach durch die drei Winterruhezonen und zwei Ganzjahresruhezonen (Wasserburger Bucht und Reutiner Bucht) nicht in der Ausübung ihrer Freizeitbeschäftigung behindert. Bei Gefahr für Leib, Leben und Sachen könnten die Ruhezonen jederzeit befahren werden.

Die Regierung von Schwaben, die nur EU-Recht umsetze, wäre im Laufe der schon längere Zeit geführten Debatten den Kritikern entgegengekommen und sei sichtlich bemüht, einvernehmliche Lösungen anzubieten, meint Erich Jörg.

Er erklärt, dass der BN die Planungen der Regierung unterstütze. Die Naturschützer sehen ihre Vorstellungen auch nicht zur Gänze verwirklicht. So bedauert der BN ausdrücklich, dass die Wasservogeljagd vom Boot aus in der Zeit vom 1. 9. bis 15. 11. bis auf einige Bereiche weiterhin ausgeübt werden dürfe.

Der Bund Naturschutz erwartet, dass die im Sommer in der Wasserburger Bucht ankernden Motorboote endgültig verbannt werden. Obwohl dies für viele Menschen ein Ärgernis sei, wäre das für einen Diskussionsteilnehmer in Nonnenhorn zu viel gewesen.

Der BN-Kreisvorsitzende Erich Jörg ruft eindringlich alle Beteiligten auf, sich auf einvernehmliche Lösungen zu einigen. Auch die Naturnutzer hätten eine moralische Verpflichtung zum Schutz der Natur und der Mitgeschöpfe. "Naturschutz wird zwar leidenschaftlich für den Regenwald am Amazonas, für die letzten Tiger, Pandabären und Nashörner gefordert. Naturschutz vor der Haustüre jedoch, da höre er dann plötzlich auf", stellt Jörg bedauernd fest.

Lindau, den 12. 6. 2013

Erich Jörg, Kreisvorsitzender