Anschrift zum Gemeinderatsbeschluss gegen Flächenfraß

Landschaftsverbrauch – Flächensparen – Gemeinderatsbeschluss – Pressebericht "Der Westallgäuer" vom 09.01.14 „Bauwillige werden in Heimenkirch schwer fündig“

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Reichart,

aus Ihrem Rathaus kommen außergewöhnliche Nachrichten, die es so in dieser Form auf dem leidigen Feld des Landschaftsverbrauchs und Flächenfraßes wohl noch nirgendwo in Bayern gegeben hat. Wir jedenfalls kennen keinen ähnlichen Vorgang, schon gar nicht im Landkreis Lindau (Bodensee). Der Beschluss des Marktes Heimkenkirch dürfte weit über den Landkreis hinaus Aufmerksamkeit erregen und zur Vorreiterrolle werden.

Der Markt Heimenkirch hat nach dem Bericht im Westallgäuer vom 9. Jan. 2014 beschlossen, in Zukunft keine neuen Baugebiete mehr auszuweisen. Damit will Ihre Gemeinde zum einen dem demografischen Wandel Rechnung tragen. Dieser wird in naher Zukunft durch den Rückgang der Bevölkerung freien Wohnraum im Ort bescheren. Als weiteres Ziel will der Markt keine weiteren landwirtschaftlichen Flächen mehr versiegeln und diese somit der Landwirtschaft vorhalten, die ja seit Längerem Flächenarmut beklagt. Ferner will Heimenkirch aus „ökologischen Gründen“ nicht weiter Landschaft verbrauchen. In diesem Zusammenhang bekräftigt die Gemeinde auch den Willen, die räumliche Trennung der Ortsteile Heimenkirch und Meckatz beizubehalten und die bestehende Grünachse nicht zu bebauen.

Wir sind in höchstem Maße entzückt. Trefflicher hätten auch wir als Naturschutzverband das alles nicht formulieren und entscheiden können. Seit vielen Jahren treibt uns die brennende Sorge um den scheinbar nicht zu bremsenden Flächenverbrauch um. Es gibt zwar einen Verfassungsartikel (Art. 141 der Verfassung des Freistaates Bayern), der zum Maßhalten aufruft, ebenso Leitlinien in diversen Plänen (Regionalplan, Landesentwicklungsplan), nach denen Kommunen zum Schutz von Grund und Boden angehalten werden, die Praxis jedoch schaut sehr trübe aus.

Nach dem Statistischen Bundesamt in Wiesen gehen täglich 81 Hektar Land durch allerlei Eingriffsmaßnahmen verloren. Eine erschreckende Zahl! Bayern steuert dazu einen traurigen Anteil von etwa 20 ha bei.

Gerade die Diskussionsveranstaltung vom 13. 01. 14 in der Gestratzer Argenhalle um das geplante 7 ha große interkommunale Gewerbegebiet zeigte die trübe Wirklichkeit wieder deutlichst auf. Den vier Argentalgemeinden Gestratz, Grünenbach, Maierhöfen und Röthenbach bekümmern weder Flächenverbrauch, Zersiedelung noch die offenkundige Verletzung des Landesentwicklungsplanes. Durch die Vorgabe rein wirtschaftlicher Gesichtspunkte werden die vielfachen negativen Auswirkungen in den Hintergrund gedrängt. Sogar die Verletzung von Verfassung und Leitlinien wird in Kauf genommen.

Doch damit nicht genug. Andernorts in unserem kleinen Landkreis drohen ähnliche Gefahren in naher oder fernerer Zukunft. Weiler-Simmerberg will an der Hammermühle ein etwa 13 ha großes Gewerbegebiet ausweisen. Maßgebliche Kommunal- und Landespolitiker sowie die Kommunen Lindau, Bodolz und Wasserburg fordern auf einer Länge von etwa 10 km den vierspurigen Ausbau der Bundesstraße B 31. Die Große Kreisstadt Lindau beabsichtigt, in unmittelbarer Nähe des Bodenseeufers unmittelbar hinter dem Naturschutzgebiet „Reutiner Bucht“ Wohnungen für bis zu 1000 Menschen zu schaffen (nach dem Freiwerden von Bahnflächen).

Wir haben hier nur drei besonders eklatante Beispiele angeführt, wie bedenkenlos und kurzsichtig Kultur- und Naturräume in unserem Landkreis in Anspruch genommen werden sollen.

Gerade vor diesem Hintergrund erstrahlt die Entscheidung Ihres Marktgemeinderates in besonderem Glanz. Wir verneigen uns davor. Dem Markt Heimenkirch gebührt unsere höchste Anerkennung. Diese Haltung hat ein bisher so nicht gekanntes Format. Sie haben damit einen Leuchtturm entzündet. Wir hoffen sehr, dass Sie zum Vorbild für viele andere Kommunen, Städte und das Land werden und Ihr Mut und Ihre Weitsicht viele Nachahmer finden.

Wir wollen ein wenig dafür sorgen, dass das Heimenkircher Beispiel über die weise Selbstbeschränkung verbreitet wird. So werden wir alle 18 anderen Kommunen des Landkreises entsprechend anschreiben. Wir werden aber auch Sie als Vorbild über die Landkreisgrenzen hinaus preisen. Das Wie mögen Sie bitte aus dem Verteiler entnehmen. Dabei erwarten wir, dass die dadurch Informierten entsprechende Schlüsse ziehen.

Wir danken abschließend Ihnen und Ihrem Gemeinderat nochmals bestens für Ihre mutige und aufsehenerregende Entscheidung. Wir hoffen sehr, dass diese Einstellung in Heimenkirch auch bei zukünftigen Gemeinderatsgenerationen erhalten bleibt.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturschutzhäusle

Erich Jörg

Kreisvorsitzender

Anschrift an die Gemeinden zum Beschluss Heimenkirchs

Rundbrief an die 18 Städte und Kommunen des Landkreises Lindau Bodensee mit Ausnahme des Marktes Heimenkirch

Landschaftsverbrauch – Flächenfraß – Entscheidung des Marktes Heimenkirch

Sehr geehrter «Anrede» «Bürgermeister»,

der Markt Heimenkirch hat kürzlich eine richtungsweisende und in dieser Form beispiellose Entscheidung getroffen. Der Markt will keine neuen Baugebiete mehr ausweisen. Er will damit dem demografischen Wandel Rechnung tragen (Rückgang der Bevölkerung). Er will die Zersiedelung stoppen und keine weitere Flächenversiegelung aus Rücksichtnahme auf die Belange der Landwirtschaft. Bemerkenswert ist ferner sein Wille, das Trenngrün zwischen den Ortsteilen Heimenkirch zu bewahren und nicht zu verbauen. Alles in allem ist das endlich ein entscheidendes Signal. Viele sprechen vom Eindämmen des Landverlustes, nur wenige handeln. Heimenkirch tut es jetzt mit einem Paukenschlag, der weithin aufhorchen lässt.

Und was Heimenkirch beschlossen hat, das muss anderswo in gleichem Maße möglich sein. Heimenkirch muss zum Vorbild werden. Nur durch diese weise und mutige Selbstbeschränkung lässt sich dem großen Umweltübel unserer Zeit endlich beikommen. Wir vom BUND Naturschutz freuen uns außerordentlich über den Heimenkircher Beschluss.

Wir geben Ihnen davon Kenntnis und bitten Sie dringlich, in Ihrem städtischen oder gemeindlichen Hoheitsgebiet dem Flächenfraß den Kampf anzusagen, ähnlich wie in Heimenkirch. Wir hoffen sehr, dass die Heimenkircher Haltung auch bei Ihnen Anklang und Nachahmung findet.

Bitte geben Sie diesen Brief samt den beigefügten Anlagen an Ihre Damen und Herren Stadträte und Gemeinderäte zur Kenntnis weiter. Dafür danken wir Ihnen bestens.

Mit freundlichen Grüßen aus dem Naturschutzhäusle

Erich Jörg

Kreisvorsitzender