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"Wir haben es satt!"

Mahnwache von Bund Naturschutz, Tier & Mensch und Parents for Future fordert Agrarwende

Jedes Jahr zur Grünen Woche fordern in Berlin Zehntausende Menschen bei der Großdemo „Wir haben es satt“ einen Systemwechsel in der Landwirtschaft. Dieses Jahr fand als Ersatz am Samstag, 16.01., eine symbolische Aktion mit mehr als 10 000 Fußabdrücken aus dem ganzen Bundesgebiet mit Forderungen zu Umwelt-, Arten-, Tier- und Klimaschutz sowie den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft statt.Unterstützt wurde die Aktion durch zahlreiche lokale Mahnwachen.

In Lindau wandten  sich Vertreter des Bund Naturschutz, der Arbeitsgruppe Tier & Mensch und der Parents for Future mit ihren Forderungen, die auf bunten Fußabdrücken, Bannern und Infotafeln dargestellt waren, an die Bürger und Politiker.

Der BN sieht mit Sorge den enormen Artenschwund, der durch Pestizide und starke Düngung verursacht wird. Dazu sagt Geschäftsführerin Claudia Grießer: “Die Zerstörung unserer Umwelt durch die inzwischen industriell arbeitende Landwirtschaft ist ganz besonders hier im Bodenseeraum im Obstanbau sichtbar.“ Der BN fordert, dass die Verursacher für die Folgekosten der Umweltschäden an Böden, Wasser und Luft aufkommen müssten, um einen schnellen Umbau zu einer nachhaltigen Landwirtschaft einzuleiten. Der stellvertretende Vorsitzende Dr. Maximilian Schuff wies auf Gesundheitsgefahren hin: Massentierhaltungen sind Brutstätten von Infektionskrankheiten und Antibiotikaresistenzen! Auch Seuchen können hier entstehen.

Der BN ruft die Bevölkerung auf, sich von der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ abzuwenden und bei lokalen Biobauern, saisonal und fair einzukaufen.

Die verheerenden Auswirkungen der Massentierhaltungen nahm Tierärztin Karin Ulich von Tier & Mensch ins Visier: „Massentierhaltung von Rindern, Schweinen, Geflügeltieren und Fischen bedeutet unfassbare Tierquälerei, unvereinbar mit dem deutschen Tierschutzgesetz!“ Riesige Tierfabriken geben den Takt vor für Billigstpreise und Überproduktion, mit denen Bauern kaum konkurrieren können. Massentierhaltung trägt maßgeblich zur Vernichtung von Lebensgrundlagen bei, durch Unmengen an Gülle, die das Wasser in Flüssen, Seen, Meeren und das Grundwasser vergiften und die Luft mit Feinstaub belasten, so Ulich. Der Futtermittelanbau verschlinge riesige Flächen, vorwiegend im Amazonasgebiet, wo die Urwälder weichen müssen. Intensive Bewirtschaftung zerstört Boden, Natur und bäuerliche Existenzen rücksichtslos.

Jörg Weißenborn und Andrea Künst von Parents for Future fordern eine Agrarwende mit dem Hinweis auf den starken Einfluss der Agrarindustrie auf die Klimaerwärmung, ganz besonders auch durch die Massentierhaltung. „Die dafür nötigen Futtermittel, vor allem Soja, das in Südamerika zur Abholzung des Amazonasregenwaldes beiträgt, treiben den Klimawandel an. Wenn der Amazonas immer mehr verschwindet, kann diese Lunge der Erde ihre Funktion nicht mehr erfüllen“, betont Jörg Weißenborn. Gerade internationale Handelsabkommen wie Mercosur dürften nur abgeschlossen werden, wenn der Schutz von Umwelt- und Menschenrechtsstandards gewährleistet seien. Hier trage die Politik eine große Verantwortung für die Zukunft, fordert Andrea Künst.

„Wir sind uns einig, dass wir in unserer Region großes Glück haben, da es sehr gute Möglichkeiten gibt, regional einzukaufen“ betont Karin Ulich. Zahlreiche Biobauern bieten ihre Produkte lokal an, auch Eier, Fleisch und Milchprodukte aus artgerechter Weidehaltung können direkt von Bauern bezogen werden, die im Einklang mit der Natur arbeiten, bestätigt auch Claudia Grießer. Auf uns alle seien sie angewiesen, denn ihre Existenzen hingen weitgehend von der Direktvermarktung ab, sind sich alle einig. Inzwischen ist auch ein Video auf Youtube zur Aktion hochgeladen.