Umwelttipp zum Schulstart: Schulbedarf ökologisch kaufen

Der Schulstart sollte keine Materialschlacht werden! Stattdessen sollten nur umweltfreundliche Schulsachen, die sorgfältig ausgewählt wurden, den Weg in den Einkaufskorb finden. Denn indem man den Schulbedarf ökologisch kauft, kann man seine Kinder vor gefährlichen Schadstoffen schützen und ihnen bei der Auswahl von Heften, Stiften und Co. ganz nebenbei erste Öko-Lektionen bieten ... 

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Die Mitglieder haben entschieden!

Am Donnerstag, den 24.08.2017, fand um 19:30 Uhr die außerordentliche Mitgliederversammlung der Kreisgruppe Lindau des BUND Naturschutz (BN) im Gasthof Köchlin statt.

Nach der Begrüßung der Anwesenden und allgemeinen Ausführungen zum Thema Therme durch den Kreisvorsitzenden Erich Jörg, wurde der Vereinszweck aus der Satzung des BN verlesen. Die Schatzmeisterin Birgit Mäckle-Jansen informierte zudem über die Finanzierung einer möglichen Klage.

Nach einer fairen Diskussion wurde schließlich über die Klage abgestimmt. Das Ergebnis ist eindeutig. Nach Auszählung der Abstimmung vor Ort und der per Briefwahl eingegangen Stimmen verkündete der Wahlausschuss, dass sich die Mehrheit der Mitglieder für eine Klage ausgesprochen hat. 167 der stimmberechtigten Mitglieder stimmten mit „Ja“ zur Klage, diesen stehen 113 Neinstimmen gegenüber. 9 Stimmzettel waren ungültig und konnten nicht gewertet werden. Somit wurden insgesamt 289 Stimmen abgegeben.

Erich Jörg sieht dies als Auftrag, das Klageverfahren einzuleiten: „Wenn wir nicht klagen, würden wir unserem Auftrag nicht gerecht werden.“


Streuobstprojekt startet wieder!

Auch in diesem Jahr findet wieder die Obstannahme für das Apfelsaftprojekt des BUND Naturschutz mit der Lindauer Bodensee Fruchtsäfte GmbH statt. Dabei werden von unter Vertrag stehenden Landwirten Äpfel zu den Annahmestellen in Hergatz und Schwatzen gebracht. Die Annahmezeiten für  Montag bei der BayWa in Hergatz sind von 09:00-12:00 Uhr und von 13:00-17:00 Uhr, bzw. Dienstag bei der Schwatzenmühle von 14:00-18:00 Uhr. Aufgrund der geringen Erntemengen in diesem Jahr wird das Obst an der jeweiligen Annhamestelle nur noch alle zwei Wochen entgegengenommen:

Di. 12.09. Schwatzen

Mo. 18.09. Hergatz

Di. 26.09. Schwatzen

Mo. 02.10. Hergatz

Di. 10.10. Schwatzen

Mo.16.10. Hergatz

Di. 24.10. Schwatzen

Mo. 30.10. Hergatz (bei Bedarf) ...

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Erich Jörg seit 30 Jahren Kreisvorsitzender

Zahlreiche BN-Mitglieder wurden für die langjährige Unterstützung der Kreisgruppe geehrt.
Überraschungsgast Richard Mergner überreichte Erich Jörg eine Urkunde zu seinem 30jährigen Jubiläum als Kreisvorsitzender.

Die Kreisgruppe Lindau des BUND Naturschutz hat auf ihrer Jahreshauptversammlung positives Resümee gezogen und verdiente Mitglieder geehrt. Besonders hervorgehoben wurde das 30jährige Jubiläum von Erich Jörg als Kreisvorsitzendem. Ein weiterer Höhepunkt war die Uraufführung eines Musikstückes, das dem BN als Geschenk überreicht wurde.

In seinem Jahresrückblick dankte Erich Jörg allen Aktiven und Vorstandsmitgliedern für die konstruktive Zusammenarbeit. Einer der Höhepunkte für ihn sei im vergangenen Jahr die Demonstration in Gestratz gewesen, als die Kreisgruppe aus Anlass des Besuches von Ministerpräsident Seehofer im Landkreis dazu aufgerufen hatte, gegen die Lockerung des Anbindegebotes im Landesentwicklungsprogramm (LEP) zu protestieren. Horst Seehofer habe mit ihm gesprochen und sich für die Sachlichkeit der Diskussion bedankt. Ebenfalls Inhalt der Änderung des LEP sei die Aufweichung der Alpenschutzzone C im Nachbarlandkreis Oberallgäu, um die Schischaukel am Riedberger Horn zu ermöglichen. Jörg rief dazu auf, an einer Familienwanderung am 25. Mai auf diesen Berg teilzunehmen.

 

Am Bodenseeufer bewegt die Kreisgruppe derzeit vor allem die Planung der Therme in Lindau, die im Landschaftsschutzgebiet Bayerisches Bodenseeufer stattfinden soll. Der BN sieht sich hier als Unterstützer der kürzlich gegründeten Bürgerinitiative, da diese sich auch für die Belange des Landschafts- und Naturschutzes einsetze. Der stellvertretende Kreisvorsitzende Max Schuff, der auch Sprecher der BI ist, hat dem Vorstand der Kreisgruppe mitgeteilt, dass er sein BN-Amt bis auf weiteres ruhen lassen möchte, um die Aktivitäten hier strikt zu trennen. Dies wurde auf seinen Wunsch auch der Mitgliederversammlung mitgeteilt. Die Vorstandschaft hatte den Beschluss von Max Schuff zwar akzeptiert, hätte ihn aber nicht für notwendig gehalten. Erich Jörg wollte im Zusammenhang mit der Therme den Rückhalt der Mitglieder, was die Unterstützung des Bürgerbegehrens anbetrifft. Er stellte daher einen Beschlussvorschlag vor, der die Unterstützung befürwortet, für die Planung eines Hallenbades, die von der BI nicht ausgeschlossen wird, jedoch Vorbehalte anmeldet. Die Mitgliederversammlung unterstützte dieses Ansinnen mit nur einer Enthaltung.

Auch die Neuaufstellung des Bundesverkehrswegeplans habe die Kreisgruppe im letzten Jahr beschäftigt, so Jörg. Der BN lehne den Ausbau der B31 auf vier Spuren vehement ab und unterstütze die Bürgerinitiative, die in Opfenbach gegen die geplante Umfahrung kämpft. Ein betroffener Landwirt, Gottfried Epple, schilderte die Situation vor Ort und hoffte auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung, da die Umfahrung nur sehr wenige Häuser entlaste, was in keinem Verhältnis zur Landschaftszerstörung durch den Neubau stünde.

 

Schatzmeisterin Birgit Mäckle-Jansen konnte Positives vermelden. Die Kreisgruppe könne bei der derzeitigen Finanzlage beruhigt in die Zukunft blicken. Dies bestätigte auch Kassenprüfer Stefan Hilger, der eine hervorragende Kassenführung und den ausgeglichenen Haushalt bestätigte und die Entlastung empfahl.

 

Jörgen Brauer vom Arbeitskreis Ellhofen berichtete von den Aktivitäten in der Biotoppflege, vor allem am Frauenschuhstandort im Osterholz, wo der Arbeitskreis mit dem Landschaftspflegeverband gemeinsam Maßnahmen durchführe. Geschäftsstellenleiterin Claudia Grießer berichtete von der erfolgreichen Umweltbildung in Zusammenarbeit mit dem Naturerlebniszentrum Allgäu. Die Programme würden von Schulen und Kindergärten sehr gut angenommen und bringen so das Thema Naturschutz zu den Kindern. Außerdem sei die Jugendgruppe weiterhin aktiv und mit der neuen Gruppenleiterin Ramona Krause habe sich eine neue Kindergruppe gegründet, die sich bereits fleißig treffe und erlebnisreiche Gruppenstunden biete. Weiterhin betreut Grießer das InterregProjekt „Kleingewässer für die Bodenseeregion“, in dem Organisationen rund um den Bodensee Kleingewässer pflegen, herstellen und Öffentlichkeitsarbeit betreiben. Hier hat die Kreisgruppe ein Konzept zur Wiederbelebung des Biotoplehrpfades Birkenried erstellt und plant neue Kleingewässer in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und dem AK Ellhofen. Außerdem ist auch hier die Umweltbildung ein großes Thema.

 

Gebietsbetreuerin Isolde Miller entführte die Teilnehmer mit einem Bildervortrag in  die entlegensten Ecken des Landkreises – die Tobelwälder des Westallgäus. Sie berichtete von dem Projekt mit Förderung durch den Bayerischen Naturschutzfonds. Hier ging es vor allem um die Erforschung der Eibenbestände in den Tobeln. Der BN habe für seine Waldflächen im Rohrach einen Antrag auf Ausweisung als Naturwaldreservat gestellt. Damit wolle die Kreisgruppe ein Zeichen setzen, um vielen seltenen Tier- und Pflanzenarten, die auf Urwälder angewiesen sind, einen Lebensraum zu geben. Sie plädierte für ein ausreichendes Netz an Naturwäldern, Naturwaldreservaten und Nationalparken, die Arten beherbergen, die bereits vom Aussterben bedroht seien. Immer wieder würde den Naturschützern vorgeworfen, eine Käseglocke über die Wälder stülpen zu wollen, doch das sei völlig haltlos. Auch Naturschützer schätzten Holz als nachwachsenden Rohstoff. Ein sinnvolles Nebeneinander von nachhaltig bewirtschafteten Wäldern und Naturwäldern sei möglich und nötig, um den Artenschwund zu stoppen.

 

Die Ehrungen der langjährigen Mitglieder hat beim BN gute Tradition. So wurden in diesem Jahr wieder Mitglieder mit der goldenen und der bronzenen Ehrennadel geehrt, die 40, bzw. 25 Jahre dem BN die Treue halten. Erich Jörg bedankte sich ganz herzlich dafür. Ebenfalls die Goldene Ehrennadel erhielten die Aktiven des Arbeitskreises Ellhofen, Jörgen Brauer, Armin Fiebig, Erich Kimpfler und Monika van Rijn für ihr langjähriges Engagement.

 

Für Überraschung bei Erich Jörg sorgte der Besuch des Landesbeauftragten Richard Mergner, der gekommen war, um mit Erich Jörg sein 30jähriges Dienstjubiläum als Kreisvorsitzender zu feiern. Richard Mergner hob die große Leistung von Jörg hervor, der mit unglaublicher Ausdauer und Engagement die Kreisgruppe leite. Es gäbe nicht viele Menschen, die eine solche Aufgabe so lange und so gut erfüllen könnten. Er überbrachte auch die Glückwünsche des Landesvorsitzenden Dr. Hubert Weiger, der Erich Jörg auch sehr schätze. Für die Kreisgruppe sprach Isolde Miller Dankesworte aus. Die langjährige gute Zusammenarbeit und sein vielfältiges Wirken sei nicht zu überbieten. Der BN vor Ort wäre ohne ihn sicher nicht die Institution, die er ist – respektiert und unumgänglich wenn es um Umweltbelange ginge.

 

Der krönende Abschluss des Abends war ein Musikstück, das vom BN-Mitglied Lutz Kral als Gitarrenduo komponiert und von Ihm und Markus Kimmich uraufgeführt wurde. Kral schenkte das Stück mit dem Titel „Eistobel-Argen-Bodensee“ der Kreisgruppe mit allen Rechten. Er wolle damit auf seine Weise seine Naturverbundenheit zeigen, indem er die Naturtopographie des Landkreises in Töne fasse. Und so ging mit „plätschernden“ Gitarrenklängen eine abwechslungsreiche Jahreshauptversammlung zu Ende.

 

 


Bayerns Luchspopulation ist in akuter Gefahr

Unsere Forderung an Ministerpräsident Horst Seehofer

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

Bayerns Luchspopulation ist in akuter Gefahr. Seit Jahren werden die streng geschützten Tiere illegal getötet. Das Verschwinden der Luchse ist umfangreich dokumentiert. Die Häufigkeit der Fälle und viele weitere Hinweise zeigen klar und deutlich, dass es sich hier um vorsätzliche Wilderei handelt, mit dem Ziel die Luchse wieder auszurotten.

Der Freistaat Bayern fördert diverse Luchsprojekte, der Tourismus wirbt mit der attraktiven Katze, die Bevölkerung steht zum Luchs. Das alles wird durch die illegalen Luchsmorde ad absurdum geführt. Die Ermittlungen gegen die Täter bleiben seit Jahren ergebnislos, keiner der Täter wurde bislang gefasst, die Wilderei geht immer weiter.

Die örtlichen Behörden haben weder die Ausrüstung noch die Kenntnisse, um solche Fälle aufzuklären. Zudem scheinen die ermittelnden Beamten oft befangen, viele von ihnen sind selbst Jäger. Deshalb braucht es dringend eine überregionale Sonderermittlungseinheit gegen Wilderei. 

Herr Seehofer, ich appelliere dringend an Sie: Stoppen Sie die Wilderei und retten Sie den Luchs in Bayern! Bitte schaffen Sie eine Ermittlungseinheit, um die Täter aufzuhalten. Bayern muss Luchsland bleiben!


Warum der Boden ein Stiefkind der Politik ist

Im Naturhaushalt ist der Boden ein ebenso wichtiges Lebenselement wie das Wasser oder die Luft. Der Umgang mit dem Boden wird diesem Umstand noch immer nicht gerecht: Flächenfraß, Schadstoffeintrag, Erosion und Verdichtung sorgen dafür, dass Mensch und Natur regelrecht den Boden unter den Füßen verlieren. Der Boden als der belebte oberste Teil der Erdkruste ist mit wenigen Dezimetern Tiefe nicht nur ein unvermehrbares, sondern auch ein leicht zerstörbares Naturgut. Die Geschichte der Menschheit zeigt eindrucksvoll, dass der Aufstieg und Niedergang von Kulturen vom Umgang mit den äußersten dreißig Zentimetern humusreicher Muttererde mitentschieden wurde.

BEDROHTES LEBENSELEMENT

Eine Hauptgefahr für den Boden ist der Eintrag von Schadstoffen, vor allem durch Schwermetalle und andere Stoffe, die in der Umwelt nicht oder nur schwer abbaubar sind, aber auch durch Stickstoff in Folge von Überdüngung oder durch Pestizide. Nicht weniger gefährlich sind Bodenabtrag und Bodenverdichtung sowie der Verbrauch des Bodens durch Siedlungen, Industrie und Verkehrsinfrastrukturmaßnahmen.

Keine dieser zentralen Gefährdungen der Böden wurde bis heute beseitigt – ganz im Gegenteil. Es wird beispielsweise immer noch zu viel Land für Wohnen, Gewerbe und Verkehr beansprucht. Deutschland hat bereits 13,5 Prozent seiner Fläche bebaut. In Zeiten der Hochkonjunktur verbrauchte Deutschland 130 Hektar pro Tag. Derzeit sind es etwa 74 Hektar. Das Ziel der Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, bis 2020 nicht mehr als 30 Hektar täglich zu bebauen, wird voraussichtlich deutlich verfehlt.

GESETZLICHER SCHUTZ: FEHLANZEIGE

Es gehört zu den schwerwiegendsten Mängeln der Umweltpolitik der zurückliegenden Jahrzehnte, dass der Boden im Gegensatz zu den Umweltgütern Wasser und Luft nicht durch ein wirkungsvolles Gesetz geschützt ist. Obwohl der Europarat schon 1972 in der Europäischen Bodencharta feststellte, dass der Boden zu den wertvollsten Gütern der Menschheit zählt und obwohl der Umweltverband BUND 1983 ein umfassendes Bodenschutzprogramm vorlegte, ist der Boden bis heute rechtlich weitgehend schutzlos der Vernichtung ausgeliefert.

Das Bundes-Bodenschutzgesetz von 1998 und die dazugehörige Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung von 1999 bilden zwar eine maßgebende Grundlage, gesetzlich geregelt wurde für die Böden aber fast ausschließlich das Gefahrenabwehrrecht im Rahmen der Altlastenbearbeitung. Für viele Sachverhalte rund um das Problemfeld Boden findet das Bodenschutzgesetz keine Anwendung.

Auf europäischer Ebene wird eine Bodenrahmenrichtlinie nach dem Vorbild der Wasserrahmenrichtlinie seit Langem angestrebt. Die von der Europäischen Kommission am 2006 vorgelegte sogenannte thematische Strategie für den Bodenschutz und der Entwurf der "Richtlinie zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für den Bodenschutz" verfolgen das Ziel, das Bodenschutzrecht der 28 EU-Staaten zu harmonisieren. Bisher haben erst neun Mitgliedsstaaten eigenständige gesetzliche Regelungen zum Bodenschutz geschaffen. Die Arbeit an der Bodenrahmenrichtlinie begann übrigens 1998 auf Initiative der damaligen Bundesregierung mit Umweltministerin Angela Merkel. Doch heute blockiert eine Minderheit von Mitgliedsstaaten die Bodenschutz- Richtlinie – ausgerechnet unter Federführung Deutschlands. Angesichts der weltweiten Degradation der Böden sollte Deutschland jedoch die Initiative für eine Weltbodenkonvention wieder aufgreifen.

FEHLENDES BODENBEWUSSTSEIN HAT URSACHEN

Das Bewusstsein für den Wert der Böden ist in unserer Gesellschaft aus verschiedenen Gründen sehr gering ausgebildet. So sind heute weniger als 1,5 Prozent der Bevölkerung im land- und forstwirtschaftlichen Bereich tätig. Für immer weniger Menschen stellt der Boden die unmittelbare Lebensgrundlage dar, so dass vielen der konkrete, persönliche Bezug zum Boden, der direkte Zugang zur Bodennutzung und zu Erfahrungen im Umgang mit Böden fehlen. Eine Ausnahme stellen Gärten dar, aber die werden in der Regel eher als Ziergarten genutzt und nicht vorwiegend für den Anbau von Obst und Gemüse.

In unserer Überflussgesellschaft sind durch einen weltweiten Import alle Lebensmittel fast unabhängig von der Jahreszeit jederzeit verfügbar, und das meist zu billigsten Preisen. Dies führt zu einer Entkopplung der eigenen Nahrung von unseren Böden. Land und forstwirtschaftliche Böden haben ökonomisch einen relativ geringen Wert. Ihr Wert nimmt erst dann massiv zu, wenn die Böden überbaut werden. Das führt zu der absurden Situation, dass intakter Boden einen geringeren Wert hat als zerstörter Boden. Dadurch sind viele Besitzer und Erben von landwirtschaftlichen Betrieben nicht mehr die Erhalter der Böden, sondern haben sich in die Verwerter der Erbschaft verwandelt. Auch die ursprünglichen Eigentümer spekulieren also häufig eher mit dem Boden, als ihn zu erhalten.

Eine positive Ausnahme stellt der Wald dar: Viele Erben von Wald behalten ihn aus unterschiedlichen Gründen, so dass eine Generation von "urbanen Waldbesitzern" entstanden ist, die zwar oft wenig Bezug zum Wald und seiner Bewirtschaftung hat, die ihn aber auch nicht verkaufen.

Landnutzer sind oft auch deshalb nicht mehr die Erhalter der Böden, weil die forst- und agrarpolitischen Fehlentwicklungen der "Wachse oder weiche"-Politik sie zwingen, die Prozesse, die zu immer höheren Belastungen der Böden führen, wider besseres Wissen zu akzeptieren. Ein Beispiel im Forstbereich ist der Rückegassenabstand von 20 bis 30 Metern, der zu einem Verlust von bis zu 20 Prozent der mit Wald bestockten Böden führt. Über die zum Holztransport angelegten Rückegassen beschleunigt sich dann bei Starkniederschlägen der Abfluss aus den Hanglagen und damit die Erosion, was in der Waldnutzung viel zu wenig thematisiert und kritisiert wird. Ähnliche Beispiele aus der Landwirtschaft sind der zunehmende Einsatz von schweren Maschinen, Düngemitteln und Pestiziden sowie der zunehmende Maisanbau.

Auch in der land- und forstwirtschaftlichen Ausbildung spielt das Bodenleben nur eine nachgeordnete Rolle. Der Boden wird kaum als ein dynamisches System mit Leben vermittelt, sondern – einem mechanistischen Weltbild folgend – nur als Stützsubstrat für Pflanzen. Der Land- oder Forstwirt soll dann in Abhängigkeit von der Nährstoffversorgung Wasser oder Nährstoffe zu- oder abführen, bei unerwünschter Bodenstruktur bestimmte Geräte einsetzen oder bei unerwünschten Beipflanzen Glyphosat spritzen, das als Totalherbizid alles pflanzliche Leben auf und in den Böden abtötet.

BODENVERNICHTUNG SIEHT MAN KAUM

Ein grundsätzliches Problem ist, dass Schäden, die wir dem Boden zufügen, nicht offensichtlich und nicht spektakulär sind. Wasserund Winderosion sind schleichende Prozesse. Wenige Millimeter Bodenabtrag, der sich auf großen Flächen schnell zu Tonnen summieren kann, nehmen selbst Landnutzer selten wahr. Fischer klagen vielleicht über ausbleibende Kieslaicher und Kommunen über verstopfte Abflussgräben, aber die breite Öffentlichkeit wird erst dann sensibilisiert, wenn spektakuläre Sandstürme in Norddeutschland auftreten oder sich wie 2013 gelbe Hochwasserfluten durch die Donauauen wälzen.

Ebenso vollzieht sich der gewaltige Landverbrauch im Regelfall nicht spektakulär, sondern auf viele Standorte im Land verteilt, so dass er in der Regel nicht einmal zur Kenntnis genommen wird. Erst beim Betrachten alter Landschaftsfotografien oder beim Besuch von Gebieten, in denen man mehrere Jahre nicht mehr war, wird einem persönlich bewusst, wie viel fruchtbarer Boden in kurzer Zeit irreparabel zerstört wurde.

Noch weniger sichtbar ist, was unter der Erdoberfläche geschieht, und damit ist es auch viel weniger in unserem Bewusstsein als verschmutzte Luft oder verschmutztes Wasser mit toten Tieren. Bodenleben ist ein verborgenes Stück Natur, mit dem wir scheinbar nur indirekt über die Nahrungsmittelerzeugung etwas zu tun haben. Schließlich ist die Beschäftigung mit Böden in unserer Kultur nicht hoch angesehen. Schmutzige Hände gelten als Zeichen von Rückständigkeit. Boden wird meist als Dreck verstanden, angefangen beim unmittelbaren Kontakt von Kindern mit der Erde. Es widerspricht unserem Sauberkeitsprinzip. Die Umweltbildung hat deshalb eine Hauptrolle, wenn es darum geht, das Bewusstsein zu wecken. Das trifft besonders für Schulgärten zu, die nicht nur Schulbiotope sein sollen. Alle Kinder sollten hier direkten Zugang zu Boden bekommen und durch die Bewirtschaftung von Böden auf einer kleinen Fläche Verantwortung übernehmen.

Hubert Weiger, Professor für Naturschutz und nachhaltige Landnutzung und Vorsitzender des BUND im Magazin „movum – Briefe zur Transformation“  Ausgabe 6, 2015


Aus Anlass des 100jährigen Jubiläums des BUND Naturschutz wurde ein sehr schönes Buch herausgegeben:
Wanderführer "Gerettete Landschaften"

Dieser Wanderführer lädt Sie ein, 40 gerettete Landschaften wandernd zu erleben, und erzählt ihre oft schon fast vergessene Geschichte. Ausführliche Wegbeschreibungen, detaillierte Kartenausschnitte, aussagekräftige Höhenprofile und GPS-Tracks zum Downloaden machen alle Tourenvorschläge leicht nachvollziehbar. Zahlreiche Farbfotos wecken die Wanderlust. Auch eine Wanderung am Bodensee ist dabei!
Preis: 14,90 € , erhältlich im Naturschutzhäusle Winfried Berner, Ulrike Rohm-Berner, Format 11,5 x 16,5 cm
192 Seiten mit 134 Farbabbildungen, 40 Höhenprofilen, 40 Wanderkarten im Maßstab 1:15.000, 1:50.000 und 1:75.000 sowie zwei Übersichtskarten, kartoniert mit Polytex-Laminierung

Weitere Infos zum Wanderführer:

http://www.sueddeutsche.de/bayern/wanderfuehrer-gerettete-landschaften-wo-baeume-gegen-beton-siegten-1.1652372

 

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